Lebensmittel-3D-Druck 3D-gedrucktes Fleisch tritt zur Blindverkostung an - mit einem klaren Ergebnis

Redakteur: Stefan Guggenberger

Das israelische Unternehmen Redefine Meat lässt seine 3D-gedruckten Fleischprodukte von mehr als 600 Menschen testen. Haben diese herausgefunden, dass sie kein tierisches Fleisch essen?

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Bei der Verkostung am Foodtruck reagierten die Kunden äußerst positiv auf das 3D-gedruckte Fleisch. Geschmack, Textur und Mundgefühl waren für sie mit tierischem Fleisch vergleichbar.
Bei der Verkostung am Foodtruck reagierten die Kunden äußerst positiv auf das 3D-gedruckte Fleisch. Geschmack, Textur und Mundgefühl waren für sie mit tierischem Fleisch vergleichbar.
(Bild: Redefine Meat)

Mehr als 600 Testesser verspeisten beinahe 1000 alternative Fleischgerichte von Redefine Meat an einem Food-Truck im israelischen Rehovot, wo das Unternehmen auch seinen Stammsitz hat. Dabei nahmen 90 Prozent der Kunden keinen Unterschied zu tierischem Fleisch war. Getestet wurden unter anderem 3D-gedruckte Steaks. Ein deutliches Ergebnis, das selbst den Hersteller überrascht hat. Nach dem erfolgreichen Experiment kündigt Redefine Meat nun eine strategische Partnerschaft mit dem israelischen Premium-Fleischvertrieb Best Meister zur Vermarktung seiner Produkte ab dem ersten Halbjahr 2021 in Israel an. Wann das alternative Fleisch in Deutschland erhältlich sein wird, ist noch nicht bekannt.

3D-gedrucktes Fleisch überzeugt bei Blindverkostung

Für das Foodtruck-Event hat das Unternehmen übrigens keine Werbung gemacht. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen aber dennoch mehr als 600 Tester, die innerhalb von fünf Stunden alle verfügbaren Portionen verzehrt haben.
Für das Foodtruck-Event hat das Unternehmen übrigens keine Werbung gemacht. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen aber dennoch mehr als 600 Tester, die innerhalb von fünf Stunden alle verfügbaren Portionen verzehrt haben.
(Bild: Redefine Meat)

Für das Experiment wurde in einem kleinen Vorort von Tel-Aviv, Rehovot, ein Imbisswagen mit einem für Fleischesser attraktiven Branding aufgestellt. Auf der Karte standen beliebte mediterrane Fleischgerichte, unter anderem gab es Steaks, die aus alternativem Fleisch von Redefine Meat zubereitet wurden. Um die Sinne der Esser ganz auf Aussehen, Geschmack und Konsistenz des Fleisches zu konzentrieren, wurde auf eine starke Würze und ein Übergewicht an Beilagen verzichtet.

Redefine Meat hat dafür gesorgt, dass alternatives Fleisch es aus der Ecke 'gesund, nachhaltig und fast wie echt' in die Kategorie 'wow, das Fleisch ist superlecker' geschafft hat. .

Eshchar Ben-Shitrit - CEO und Mitbegründer von Redefine Meat

Das Ergebnis spricht eine klare Sprache: Über 600 Besucher hatten in weniger als fünf Stunden fast 1000 Portionen Fleisch gekauft. Als die Kunden erfuhren, dass das Fleisch auf pflanzlicher Basis hergestellt worden war, bescheinigte die Mehrheit den Produkten in Bezug auf Geschmack, Konsistenz und Mundgefühl Vergleichbarkeit mit tierischem Fleisch. Eshchar Ben-Shitrit, CEO und Mitbegründer von Redefine Meat, meint dazu: "Der Test hat gezeigt, dass Fleischliebhaber unser alternatives Fleisch mögen, weil es wie tierisches Fleisch schmeckt, und nicht nur, weil es besser für die Umwelt oder die Tiere ist.“

Eindrücke von der Blindverkostung:

Nächstes Ziel: Massenvermarktung

Der Erfolg des Pilotversuchs ist ein wichtiger Meilenstein für Redefine Meat und spielt eine entscheidende Rolle bei der Bildung der strategischen Partnerschaft mit Best Meister. Der für hochwertige Fleischprodukte bekannte Vertrieb stellt Redefine Meat seine Infrastruktur für die Einführung der 3D-gedruckten Fleischprodukte in Israel zur Verfügung. Bereits im ersten Halbjahr 2021 sollen Restaurants und Fleischereien beliefert werden.

„Wir haben uns schon länger für die alternativen Fleischprodukte von Redefine Meat interessiert und das Experiment mit dem Imbisswagen hat uns nun völlig überzeugt. Abgesehen von dem überwältigend positiven Feedback bietet uns die Technologie die Möglichkeit, eine große Auswahl an hochwertigen Fleischteilen auf Abruf zu produzieren", erklärt Ori Zaguri, CEO von Best Meister.

So sieht ein alternatives Steak aus dem 3D-Drucker nach der Zubereitung aus.
So sieht ein alternatives Steak aus dem 3D-Drucker nach der Zubereitung aus.
(Bild: Redefine Meat)

Hier spricht Zaguri einen einzigartigen Vorteil von 3D-gedruckten Lebensmitteln an: Diese können nämlich bedarfsgerecht und ohne lange Vorlaufzeit hergestellt werden. Schließlich muss das Fleisch ja nicht jahrelang an einer Kuh wachsen. Damit würde sich auch die Lieferkette und die benötigte Infrastruktur vereinfachen. Futtermittel, Ställe, Viehtransporte, Schlachthäuser und so weiter werden durch einen einzigen 3D-Drucker ersetzt, der in der Lage ist, verschiedene Fleischprodukte zu erzeugen. Ein Entwicklung, die zu einer erheblichen Verbesserung der Umweltbilanz von Fleischprodukten führt, aber auch Arbeitsplätze in der Lebensmittelproduktion bedroht.

Fleischersatz hat sich etabliert

Ob wir die Produkte von Redefine Meat bald auch in deutschen Restaurants oder im Einzelhandel sehen, ist ungewiss. Aber der Blick in das Kühlregal beinahe aller Supermärkte zeigt eine klare Tendenz: Kunden haben ein steigendes Interesse an Fleischalternativen, die besser für die Umwelt sind und/oder das Leid der Tiere vermindern. So stieg der Absatz von Fleischersatzprodukten allein im ersten Quartal 2020 um 37 Prozent an. Und im Juli 2020 meldete die Rügenwalder Mühle erstmals, dass ihr Umsatz mit Veggie-Produkten den mit Fleisch-Produkten überstiegen hat.

Ob Redefine Meat der Sprung in Restaurants und Kühlregale gelingt, hängt jetzt davon ab, ob die 3D-gedruckten Fleischalternativen auch wirtschaftlich produziert werden können. Hier gibt sich der Hersteller in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung selbstbewusst: "Dank der Herstellungsmengen und -kosten eignet sich unser Verfahren für große kommerzielle Märkte".

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