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Lebensmittel-3D-Druck Bon Appétit – Das 3D-gedruckte Menü

| Redakteur: Stefan Guggenberger

Heute haben wir einen besonderen Leckerbissen für Sie: Ein Menü, das von Vorspeise bis Dessert 3D-gedruckt wird, sogar die Drinks werden additiv ‚gemixed‘.

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Woher stammt dieses Steak? Von einem echten Rind oder wurde es mit einem 3D-Drucker hergestellt? Tatsächlich handelt es sich hier um einen 3D-gedruckten Steakersatz des Unternehmens Redefine Meat.
Woher stammt dieses Steak? Von einem echten Rind oder wurde es mit einem 3D-Drucker hergestellt? Tatsächlich handelt es sich hier um einen 3D-gedruckten Steakersatz des Unternehmens Redefine Meat.
(Bild: Redefine Meat)

Der 3D-Druck gilt als eines der innovativsten Fertigungsverfahren und erschließt sich immer neue Anwendungsgebiete. In der Industrie macht additive Fertigung den herkömmlichen Verfahren Konkurrenz und wird beispielsweise für die Herstellung von Fahrzeugen und im Formenbau genutzt. Auch im Bereich der Medizintechnik erfreut sich 3D-Druck großer Beliebtheit. So werden beispielsweise Zahnkronen mit hoher Präzision auf 3D-Druckern erzeugt.

Doch auch fernab von Industrie und Medizin zeigt der 3D-Druck seine appetitliche Seite. Immer mehr Unternehmen, Start-ups und Forschungsprojekte nutzen 3D-Drucker zur Herstellung von Lebensmitteln. Mittlerweile können Sie mit einer rein additiven Ernährung Steaks, Lachs und Schokolade genießen. Dabei verfolgen die Hersteller mit ihren Produkten unterschiedliche Ziele: 3D-gedruckte Steaks sollen beispielsweise gesünder sein und die Umwelt deutlich weniger belasten als ihre bovinen Vettern. Ein Start-up aus Kalifornien bietet 3D-gedruckte Cannabis-Drinks an, die eine präzise Dosierung für medizinische Zwecke erlauben. Mit 3D-gedruckter Schokolade können hingegen einzigartige ‚Konstruktionen‘ erzeugt werden, die auf den Menüs von Sternerestaurants zu finden sind.

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Nach der hoffentlich appetitanregenden Einleitung beginnen wir nun mit unserem 3D-gedruckten Menü.

Vorspeise – Lachs à l'additive

Die Überfischung der Ozean wird immer deutlicher und könnte schreckliche Folgen haben, wenn sich daran nichts ändert. Gleichzeitig hat die Menschheit aber großen Hunger auf Fische wie Lachs und Thunfisch. Hier setzt das Start-up Legendary Vish an: Die in Wien ansässige Firma will ihren Kunden den Geschmack von frischem Fisch und Meeresfrüchten bieten, ohne dabei die marinen Ökosysteme zu belasten. Aktuell verfeinert Legendary Vish ihren 3D-gedruckten Lachs. Der vegane Lachs besteht aus Pilz- und Erbsenprotein sowie und Stärke, Agar und mehreren Ölen, die für den hohen Omega-3-Fettsäuren-Gehalt sorgen.

Können Sie den 3D-gedruckten Lachs vom Original unterscheiden? (links 3D-gedruckt und rechts natürlich).
Können Sie den 3D-gedruckten Lachs vom Original unterscheiden? (links 3D-gedruckt und rechts natürlich).
(Bild: Legendary Vish)

Legendary Vish möchte dabei nicht nur in Geschmack und Textur an das tierische Original herankommen, sondern auch einen ähnlichen Nährwert bieten. Um geschmacklich näher an echten Fisch zu kommen, arbeitet das Start-up mit einem Unternehmen zusammen, das sich auf Aromen und Duftstoffe spezialisiert hat.

Hauptgang – Steak oder Nuggets?

Bei dem Hauptgericht können Sie zwischen Chicken-Nuggets und Steak wählen.

Die 3D-gedruckten Nuggets werden vielleicht schon bald bei dem amerikanischen Schnellrestaurant KFC erhältlich sein. Dazu hat die Restaurantkette eine Kooperation mit der russischen Firma 3D Bioprinting Solutions gestartet. Als Ausgangsmaterial soll eine Mischung aus Hühnerzellen und pflanzlichen Materialien dienen. Der 3D-Drucker sorgt dann dafür, dass die Textur echtem Hühnerfleisch beziehungsweise von Nuggets entspricht. Für KFC kann der 3D-Druck langfristig ein Ausweg aus der umstrittenen industriellen Erzeugung von Hühnerfleisch sein. Die additiven Nuggets wären ökologischer und können ohne Tierleid erzeugt werden.

Keine Lust auf Hühnchen? Dann vielleicht ein frisch gedrucktes Steak?

Das israelische Unternehmen Redefine Meat hat sich an den Heiligen Gral der Fleischliebhaber gewagt und ein vegetarisches Steak entwickelt, das auf einem 3D-Drucker hergestellt wird. Redefine Meat sieht darin den nächsten Schritt für die Welt der alternativen Proteine: Wenn Firmen wie Impossible Foods Burger auf pflanzlicher Basis geschaffen haben, die fleischig genug sind, um Fleischesser in Versuchung zu führen, dann gibt es auch einen Markt für realistisches Kunstfleisch aus dem 3D-Drucker. Noch 2020 sollen die ersten 3D-Fleischdrucker an Restaurants in Europa verkauft werden.

Drinks – gesunde Energie und natürliche Entspannung

Das Start-up Smartcups hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Getränke jeder Art auf die Oberfläche eines Bechers gedruckt werden. Dazu werden auf dem Boden der Becher sechseckige Pads aufgetragen, welche die Inhaltsstoffe des Drinks enthalten. Danach wird Wasser hinzugefügt und das Extrakt freigesetzt, ähnlich wie bei einer wasserlöslichen Tablette. Laut Smartcups soll so jede gewünschte Geschmacksrichtung erzeugbar sein. Bisher sind vier Energy-Drinks und ein Kaffeegetränk im Angebot des Unternehmens. Zusammen mit dem Investor Mike Tyson sollen zukünftig auch 3D-gedruckte Cannabis-Drinks verkauft werden. Im Vergleich zum herkömmlichen Konsum soll die Dosierung mit Smartcups exakt steuerbar sein und deshalb besser für medizinische Anwendungen geeignet sein.

Nachspeise – 3D-gedruckte Schokolade

Mittlerweile gibt es einige Systeme die Schokolade oder andere süße Massen per 3D-Druck extrudieren können. Der Großteil dieser Systeme ist jedoch für professionelle Nutzer ausgelegt, was sich oft auch in Bedienung und Preis zeigt. Es gibt aber auch einen Drucker, mit dem Sie zu Hause ihre Nachspeise selbst drucken können:

Mit dem Mycusini von Print2Tase können auch Sie Ihre ganz persönliche Schokolade drucken. Und anders als bei Steak und Lachs aus dem 3D-Drucker müssen sie auch nicht warten, denn der Schokodrucker ist bereits erhältlich. Von den Qualitäten konnten wir uns schon selbst überzeugen. Vor allem der einfache Aufbau und die Möglichkeit, eigene Designs zu drucken, hat uns gut gefallen. Zum Drucker werden wir in diesem Jahr noch einen ausführlichen Test veröffentlichen. So viel können wir aber schon einmal verraten, 3D-gedruckte Schokolade gibt jedem Dinner eine ganz besondere Note. Oder wie wäre es mit einem Schoko-Heiratsantrag?

Neben Mycusini bietet der Hersteller Print2Taste auch professionelle Geräte an. Die Procusini-Schokodrucker werden unter anderem in der Event-Gastronomie, in Hotels oder von Konditoren eingesetzt.

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