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China Market Insider Chinas Markt für additive Fertigung hebt ab

| Autor / Redakteur: Henrik Bork / Benedikt Hofmann

Mit ihren Konjunkturspritzen fördert die chinesische Führung gezielt Zukunftstechnologien. Auch die additive Fertigung profitiert in dieser schweren Zeit von staatlichen Zuwendungen.

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Die chinesische Führung fördert die additive Fertigung auch in der Corona-Pandemie.
Die chinesische Führung fördert die additive Fertigung auch in der Corona-Pandemie.
(Bild: ©vegefox.com - stock.adobe.com)

Nicht nur Betonmischer und Bagger finden in China momentan reißenden Absatz, wie wir in einem der vorhergehenden „China Market Insider“ schon berichtet haben. Mit ihren Konjunkturspritzen gegen die Wirtschaftskrise fördert die chinesische Führung nun auch ganz gezielt Zukunftstechnologien wie Smart Manufacturing. Dazu zählt die additive Fertigung, die gerade mit einem Job im Weltall von sich reden machte. Auch chinesische 3D-Druckerhersteller können mittlerweile Spitzenpositionen auf dem weltweiten Markt für 3D-Drucker einnehmen.

Ein schwerer Schlag waren die strengen Corona-Lockdowns und Geschäfts-Schließungen in China für das Messe- und Kongresswesen und damit indirekt auch für das fertigende Gewerbe des Landes. Wenn nun wieder Messen eröffnen, atmen beide Branchen auf.

Den Abschluss des heutigen „China Market Insider“ macht eine Zahl: Bis zu 80 Mio. Menschen könnten in China durch die strengen Corona-Lockdowns der Regierung arbeitslos geworden sein – so viele wie es Deutsche gibt.

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Chinas Markt für additive Fertigung hebt ab

Ein „Weltraum 3D-Drucker” und zwei Werkstücke, die er im All brav gedruckt hat, sind am Freitag vergangener Woche wieder auf der Erde gelandet. Es war Chinas erster Versuch mit dem Druck von carbonfaserverstärktem Kohlenstoff im Weltall, und der Versuch war ein voller Erfolg, teilte Chinas Akademie für Weltraumtechnik (CAST) der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit.

Der von CAST-Ingenieuren selbst entwickelte 3D-Drucker habe am Donnerstag letzter Woche um 1 Uhr 58 chinesischer Zeit im Orbit seine zwei Werkstücke auftragsgemäß und ohne Zwischenfälle gedruckt. Nach der Landung des Raumschiffes auf den grünen Weiden der Inneren Mongolei im Norden Chinas würden die Produkte nun in den kommenden Wochen genauer untersucht, berichtete Xinhua.

Das spektakuläre Experiment unterstreicht Chinas Ambitionen in Sachen additive Fertigung, jener auch in Deutschland viel diskutierten Zukunftstechnologie. Der entsprechende Markt befindet sich in der Volksrepublik noch im Anfangsstadium, explodiert jedoch gerade mit Wachstumsraten, die schon für sich allein genommen keine Vergleiche mit aufsteigenden Weltraumraketen scheuen müssen.

Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 49,1 % sei die 3D-Printing-Industrie in China in den fünf Jahren von 2013 bis 2018 gewachsen, berichtete das Fachmedium „Control Engineering China” kürzlich. In diesem Zeitraum sei der Gesamtwert dieses Marktes im Reich der Mitte von umgerechnet 294 Mio. Euro auf rund 2,1 Mrd. Euro gestiegen, berichtete das Blatt.

Da wundert es wenig, dass chinesische Unternehmen auch in diesen schweren Corona-Zeiten weiter Allianzen mit ausländischen Pionieren im Bereich 3D-Druck schließen. Mitte April gab die Lübecker Firma SLM Solutions, ein deutscher Marktführer bei der additiven Fertigung mit Metall, in Shanghai eine strategische Partnerschaft mit dem chinesischen Medizingeräte-Hersteller Canwell Medical bekannt.

Canwell Medical, ein führender Hersteller von orthopädischen Implantaten in China, werde künftig 3D-Drucker von SLM Solutions nutzen, um Implantate für den chinesischen Markt zu produzieren, gaben die Lübecker auf ihrer chinesischen Webseite bekannt. Zusätzlich unterstütze SLM Solutions die Chinesen bei Anwendungsfragen, im Bereich Forschung und Entwicklung und helfe bei der Beschleunigung von Produktzertifikationen und Serienproduktion, gaben die Deutschen bekannt.

Orthopädische Implantate sind ein großer Wachstumsmarkt in China, nicht zuletzt weil viele Patienten erst seit Kurzem über genügend verfügbares Einkommen für teure Operationen verfügen. Auch schreitet die Veralterung der chinesischen Gesellschaft rasch voran. Bis 2021 wird der Anteil der über 60-jährigen an der chinesischen Gesamtbevölkerung auf 23 % anwachsen, was allein in diesem kurzem Zeitraum einem Zuwachs von 30 Mio. Menschen in dieser für die Implantats-Chirurgie anfällige Bevölkerungsgruppe entspricht.

Während viele Maschinen und viel Know-how für die additive Fertigung in China noch immer importiert werden müssen, machen gleichzeitig heimische Hersteller schnelle Fortschritte. Shining 3D, Chinas Marktführer für 3D-Druck-Anwendungen in verschiedenen Industriebereichen von der Zahnmedizin bis zu Smart Manufacturing, meldete in seinem gerade veröffentlichten Jahresbericht für 2019 Einnahmen in Höhe von 456 Millionen Yuan (rund 59,3 Mio. Euro) .Das sei eine Steigerung von mehr als 14 % im Vergleich zum Vorjahr, hat das chinesische Wirtschaftsmagazin Caijing errechnet.

Das rasante Wachstum der additiven Fertigungsindustrie in China ließ die chinesische Technologie-Plattform Yi Ou kürzlich vom Anbruch einer „neuen Ära” schwärmen. Es gäbe zwar noch eine Technologiekluft zu ausländischen Marktführern, schrieb Yi Ou, doch chinesische Hersteller würden sehr wahrscheinlich schon bald „Durchbrüche in Nischenmärkten erzielen”.

Als Teilbereich der intelligenten Fertigung genießt die Branche seit kurzem besondere Förderung seitens der chinesischen Regierung, die unter dem Motto „Neue Infrastruktur” den gezielten Ausbau von datengetriebenen Schlüsseltechnologien wie IIOT (Industrial Internet of Things) vorantreibt. Der größte Vorteil der additiven Fertigung ist es ja, dass anders als bei herkömmlichen „subtraktiven” Prozessen nur noch Datensätze benötigt werden, keine Metall- oder Kunststoffblöcke, aus denen die Werkteile herausgefräst werden. Besonders im Weltall dürfte das von Vorteil sein.

Fachmessen in Südchina und Shanghai eröffnen wieder

Chinas Südprovinz Guangdong und die Stadt Shanghai haben als erste Orte in China explizit wieder Messen und Konferenzen erlaubt. Dies berichtete Vogel Communications China (vogel.com.cn) am Freitag unter Berufung auf offizielle Quellen. Das auch für das fertigende Gewerbe wichtige Messe- und Konferenzwesen war in China wegen der Corona-Krise zuvor monatelang ausgesetzt worden. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen dürften nun schon bald wieder erste regionale Messen stattfinden, berichtete Vogel in China.

Seit Samstag sind auch in anderen Teilen Chinas Messen und Konferenzen nicht mehr ausdrücklich verboten, seit der Staatsrat in Peking, also Chinas Kabinett, eine entsprechende Richtlinie für örtliche Behörden erlassen hat. Doch Shanghai und Guangdong sind die ersten Lokalbehörden, die dies nun ausdrücklich erlaubt haben.

Bis zu 80 Millionen Arbeitslose in China

Selten war der Blick der Welt auf China so polarisiert wie im Moment. Man muss wohl bis zu Maos Kulturrevolution zurückdenken, als linke Journalisten in Deutschland das „Neue China” bejubelten, während die Reporter konservativer Medien nur mit Flüchtlingen in Hongkong redeten.

Auch heute wieder spaltet China die Geister. Während die einen das Land für sein anfängliches Vertuschen des Coronavirus verdammen, sprechen andere voller Anerkennung von den „resoluten” Lockdowns und Fabrikschließungen der kommunistischen Führung unter Xi Jinping.

Ganz selten aber ist in beiden Lagern zur Zeit von den menschlichen Opfern dieser „resoluten” Politik in China die Rede. „Schätzungsweise 70 bis 80 Mio. Menschen” waren wegen der Corona-bedingten Fabrikschließungen und strengen Ausgangssperren in China Ende März arbeitslos oder „noch nicht an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt”, berichtet die Zeitung „Lianhe Zaobao” in Singapur unter Berufung auf chinesische Statistiker. Die Zahl kann nur geschätzt werden, weil in China keine akkuraten Arbeitslosenzahlen veröffentlicht werden.

* Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Beijing. China Market Insider ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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