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Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung, Werkstoffe und Materialfluss

Vom Ingenieur zum 3D-Drucker

Das lernt eine Fachkraft für Additive Fertigung

| Autor: Simone Käfer

An der IHK Mittleres Ruhrgebiet wird seit November 2018 der Kurs „Fachkraft für Additive Fertigung“ angeboten. Wir haben mit dem Dozenten Jörg Heusler über die Inhalte des 8-tägigen Kurses gesprochen.

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( Bild: ©magele-picture - stock.adobe.com )

Hauptberuflich ist Jörg Heusler Vertriebsleiter des Software-Unternehmens und Dienstleisters Ruhrsource. Doch inzwischen bildet er auch 3D-Drucker bei der IHK Mittleres Ruhrgebiet aus. Zum Kurs „Fachkraft für Additive Fertigung“ kommen sowohl Neu- und Quereinsteiger als auch Ingenieure mit Vorwissen. Was sie lernen und was sie danach können, erzählte uns Heusler.

Was kann ein Teilnehmer, wenn er Ihren Kurs absolviert hat?

Ein Teilnehmer, der vorher noch nie additiv gefertigt hat, kann nach dem 8-tägigen Kurs 3D- Druck-technisch denken. Er weiß, auf was es ankommt, wo Probleme auftreten könnten, was bei der Konstruktion zu beachten ist. Und er kennt die unterschiedlichen Verfahren und welche besonderen Eigenheiten ein jedes hat. Am besten wird er sich jedoch im FDM/FFF-Verfahren auskennen, denn auf das Kunststofffilament-Drucken gehen wir sehr intensiv ein.

Was heißt „sehr intensiv“?

Beim FFF-Verfahren erklären wir nicht nur die Theorie, hier machen die Teilnehmer auch praktische Erfahrungen. Genauer gesagt, erstellen sie Programme für FFF und drucken dann selbst Bauteile an Geräten, die wir von Ruhrsource zum Kurs mitbringen.

Wie viel praktische Erfahrung können Sie bei 64 Kursstunden den Teilnehmern überhaupt bieten?

Wir gehen sehr in die Praxis. Zuerst zeichnen alle Teilnehmer in einem CAD-System das gleiche einfache Bauteil. So kann ich feststellen, welcher Teilnehmer wie viel Kenntnisse in CAD hat. Dann wird das zu konstruierende Bauteil schwieriger. Am Ende des ersten Kurs-Blocks, also nach fünf Tagen, bekommen die Teilnehmer die Aufgabe, etwas Komplexeres alleine zu konstruieren. Am Anfang des zweiten Blocks wird das ausgedruckte Ergebnis ausgewertet, wir besprechen es gemeinsam, überlegen was gut war und was schlecht. Es soll ein gemeinsames Lernen sein.

Wenn also ein Teilnehmer Ihren Kurs abgeschlossen hat, hat er Erfahrung mit dem FFF-Verfahren. Das ist aber nicht zwingend das Verfahren, das in seinem Unternehmen genutzt wird.

Wir stellen die Grundlagen aller additiven Verfahren vor, von FFF über Binder Jetting, SLS, EBM, Stereolithografie und DLP bis zum Häuserdruck und Bioprinting; also sowohl Verfahren mit Kunststoff als auch die metallischen. Außerdem gehen wir auf die Materialien ein, welche Werkstoffe es für die Additive Fertigung gibt und für welche Verfahren sie geeignet sind.

Also kommen die Absolventen zurück ins Unternehmen und starten sofort mit der Produktion?

Jein. Sofort starten können sie mit einem Filament-Drucker. Denn daran haben wir geübt und die Maschinen unterscheiden sich nicht großartig. Arbeitet das Unternehmen mit einer anderen Technik, weiß der Teilnehmer zwar, wie das Verfahren theoretisch zu handhaben ist, muss allerdings die Maschine erst kennenlernen. Er muss sich beispielsweise über wichtige Parameter schlau machen, wie Sauerstoff- und Schutzgasgehalt oder ob und wie das Material abgesaugt und wieder aufbereitet werden soll, wenn er mit einem Pulverbettverfahren arbeitet.

Der Kurs fand erstmalig im November 2018 statt, der zweite vergangenen Monat. Was waren die häufigsten Fragen der Teilnehmer?

Jeder hatte ganz andere, spezifische Fragen. Das lag unter anderem am unterschiedlichen Wissensstand der Teilnehmer, aber auch an den benötigten Techniken. Zum Beispiel wollte einer mehr über FFF, ein anderer über DLP und ein dritter über metallische Verfahren wissen. Viele Fragen drehten sich um das Konstruieren und Werkstoffe: Worauf muss ich achten, wenn ich AF-gerecht zeichnen möchte? Welche Materialien kann ich bei welchen Temperaturen drucken und worauf muss ich achten? Aber auch Nachbearbeitung war ein wichtiges Thema, beispielsweise die Frage: Wie kann ich ein Bauteil so konstruieren und so fertigen, dass ich möglichst wenig nachbearbeiten muss?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf unserem Partnerportal MM Maschinenmarkt veröffentlicht.

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