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Studie – 3D-Druck in Industrienationen

Deutsche Unternehmen sind nicht mehr Vorreiter in der Additiven Fertigung

| Redakteur: Stefan Guggenberger

Laut einer aktuellen Studie von Ernst & Young sind deutsche Unternehmen nicht mehr die Vorreiter für additive Technologien, die sie einst waren. Vor allem die asiatischen Industrieländer haben Deutschland überholt.

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Laut einer aktuellen Studie sind Deutsche Unternehmen nicht mehr Spitze in der Anwendung additiver Technologien.
Laut einer aktuellen Studie sind Deutsche Unternehmen nicht mehr Spitze in der Anwendung additiver Technologien.
(Bild: unsplash)

Beim 3D-Druck haben deutsche Unternehmen ihre Vorreiterrolle wohl vorerst eingebüßt. Obwohl bereits 63 % der Unternehmen hierzulande additive Technologien nutzen – eine deutliche Steigerung zur vorherigen Befragung im Jahr 2016, bei der nur 37 % diese nutzten. Allerdings reichte dieser Anteil 2016 noch aus, um unter den Industrienationen eine führende Rolle einzunehmen – damals setzten im Schnitt nur 24 % den 3D-Druck ein.

Förderung in China und Skepsis in Deutschland

Heute sieht das anders aus: Viele, vor allem asiatische, Industrienationen haben Deutschland mittlerweile überholt. Heute wenden im Durchschnitt bereits 65 % der Unternehmen weltweit additive Technologien an. Die asiatischen Länder Südkorea (81 %) und China (78 %) sind führend. Aber auch kanadische Unternehmen sind mit 77 % schon deutlich weiter.

Also nehmen zunehmend andere Nationen am weltweiten Gesamtmarkt teil, welcher in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist – allein von 2016 auf 2018 um etwa 58 % auf 9 Milliarden US-Dollar. Für das Jahr 2019 wird mit einem Anstieg um 24 % und damit auf 11,2 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Aktuell weisen 63 Prozent der deutschen Unternehmen Erfahrung mit 3D-Druck auf, 2016 waren es nur 37 Prozent.
Aktuell weisen 63 Prozent der deutschen Unternehmen Erfahrung mit 3D-Druck auf, 2016 waren es nur 37 Prozent.
(Bild: VCG)

Gerade in China wird Additive Fertigung als eine der klaren Prioritäten in der wirtschaftspolitischen Strategie auf Landesebene festgelegt. Die Priorisierung in China führt zu einer umfassenden finanziellen Förderung von 3D-Druck, welche es hierzulande nicht gibt. Vom 3D-Boom in Fernost profitieren allerdings auch deutsche Druckerhersteller, weil sie ihren Absatz in China deutlich steigern können. In Deutschland wird noch viel getestet – verglichen mit anderen Nationen sind die die hiesigen Unternehmen noch nicht so stark in die Anwendung für Endprodukte eingestiegen. Dies liegt wohl zumindest teilweise auch an einer generellen Skepsis und Zurückhaltung in Deutschland, gegenüber neuen Technologien.

Welche Vorteile sehen die Unternehmen?

Als erstes nennen die befragten Unternehmen bessere auf die Kundenanforderungen abgestimmte Produkte (43 %), effizientere Forschung und Entwicklung (38 %) sowie eine effizientere Ersatzteilbeschaffung (33 %) als Vorteile der Additiven Fertigung.

In den Bereichen Logistik und Produktentwicklung sehen die Unternehmen die größten Entwicklungen. Während aktuell nur 26 % der Unternehmen Vorteile bei der Reduzierung von Transport und Lagerbeständen sehen, glauben 56 %, dass sie in diesen Bereichen von der Additiven Fertigung profitieren werden. Die Mehrzahl der Unternehmen geht also davon aus, dass sie durch AM ihren Logistikaufwand senken werden. Aktuell geben 17 % der Unternehme an, von niedrigeren Produktionskosten zu profitieren, weil sie 3D-Druck einsetzen. Jedoch vermuten 53 % aller Befragten, dass sie ihre Produktionskosten in den nächsten 3 Jahren mit der neuen Technologie senken werden.

Woran scheitert die Einführung von Additiver Fertigung?

Trotz der genannten Vorteile scheitert die Einführung der Additiven Fertigung häufig noch am Geld. Tatsächlich geben 90 % der Unternehmen an, dass die Materialkosten eine zu hohe Belastung darstellen. Außerdem nennen 87 % die Anschaffungskosten der Drucksysteme als K.O.-Kriterium. Aber auch mangelnde Fachkenntnisse (50 %) im eigenen Unternehmen verhindern nicht selten die Umsetzung von AM.

Life Science und Chemie setzen auf 3D

Bei der Herstellung von Fertigbauteilen ist die Anwendung des 3D-Drucks seit 2016 stark gestiegen: Vor drei Jahren gaben nur 5 % an, ihre Endprodukte mithilfe additiver Technologie herzustellen. Im Jahr 2019 fertigen bereits 18 % ihre Endprodukte additiv. Besonders weit sind die Life-Science- und die Chemiebranche (jeweils 22 %) sowie die Luftfahrtbranche (18 %). Bis 2022 wollen sogar 46 % Additive Fertigung in der Endproduktion einsetzen.

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Die Additive Fertigung revolutioniert die Bauteilherstellung in vielen Branchen. Gerade für klein- und mittelständische Unternehmen sind jedoch hohe Fertigungskosten nach wie vor die Haupteinschränkung für die weitere Verbreitung dieser Produktionstechnologie.

Große Schritte - keine Revolution

Die aktuelle Erkenntnisse von Ernst & Young machen wieder einmal deutlich, dass die Additive Fertigung in der Realität angekommen ist. Knapp zwei Drittel der Unternehmen in führenden Industrieländern haben bereits Erfahrungen mit der Technologie gesammelt. Außerdem wird klar, dass 3D-Druck seine Kinderschuhe abgestreift hat und zunehmend in die Endproduktion drängt. Immerhin 18 % stellen bereits Endprodukte mit additiver Technologie her. Aber die große additive Revolution kann noch nicht ausgerufen werden. Gemessen am Welthandelsvolumen (19.476 Milliarden Dollar in 2018) ist das Volumen der additiven Branche (9 Milliarden Dollar in 2018) immer noch verschwindend gering. In vielen Branchen verdrängt AM auch nicht die herkömmlichen Verfahren, sondern ergänzt diese - bisher.

  • 63 % der deutschen Unternehmen nutzen additive Technologien
  • Förderung in China und Skepsis in Deutschland
  • Vorteil: bessere, auf die Kundenanforderungen abgestimmte Produkte
  • Nachteil: zu hohe Materialkosten

Zum Global 3D Printing Report: Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) befragte für den Report insgesamt 900 Unternehmen in ausgewählten Ländern, davon 222 in Deutschland.

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