Aufwärtstrend Deutscher Maschinenbau wächst zweistellig

Redakteur: Peter Königsreuther

Der VDMA berichtet über die neuesten Zahlen, die den deutschen Maschinenbau im ersten Halbjahr 2021 charakterisieren. Hier die Lage der Dinge hier und in der Welt.

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Wie der VDMA berichtet, wächst der deutsche Maschinenexport zweistellig – trotz straff gespannter Lieferketten. Im ersten Halbjahr 2021 konnte man demnach um 11 Prozent zulegen.
Wie der VDMA berichtet, wächst der deutsche Maschinenexport zweistellig – trotz straff gespannter Lieferketten. Im ersten Halbjahr 2021 konnte man demnach um 11 Prozent zulegen.
(Bild: Siemens AG)

Im ersten Quartal lagen die Ausfuhren lediglich um 0,8 Prozent über dem Vorjahr. Man sollte aber bedenken, dass die Maschinenexporte im zweiten Quartal 2020 – dem Höhepunkt der Corona-Pandemie – um 21,5 Prozent zurückgingen. Im ersten Quartal 2020 lag der Rückgang nämlich nur bei 5 Prozent. Insofern ist der starke Anstieg im zweiten Quartal des laufenden Jahres auch mit der niedrigen Vorjahresbasis erklärbar. Im Endeffekt lagen die Maschinenausfuhren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 11,2 Prozent über denen des Vorjahres.

Die Maschinenexporte aus Deutschland haben im zweiten Quartal weiter an Fahrt gewonnen: Sie stiegen im Vorjahresvergleich um 23,5 Prozent auf 44,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Zahlen mitteilt.
Die Maschinenexporte aus Deutschland haben im zweiten Quartal weiter an Fahrt gewonnen: Sie stiegen im Vorjahresvergleich um 23,5 Prozent auf 44,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Zahlen mitteilt.
(Bild: Statistisches Bundesamt)

Und stetig steigend quält der Lieferengpass

Die Versorgung mit Vorprodukten wird aber allmählich zum eklatanten Engpass, heißt es weiter. „Das kräftige Comeback der Maschinenexporte in nahezu alle Regionen der Welt ist sehr erfreulich“, äußert sich VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann, „doch das positive Bild darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der weitere Aufschwung aufgrund von Materialmangel deutlich erschwert wird.“ Besonders die Versorgung mit Vorprodukten aus der Elektronik- und Stahlindustrie sei problematisch und verursache Sorgenfalten, wie aus einer Umfrage unter VDMA-Mitgliedern Anfang April hervorging. Diese Situation hat sich seitdem auch noch weiter verschlechtert. Der Druck auf die Lieferketten ist hoch und wird zusätzlich durch kapazitätsmäßige Logistikengpässe verschärft. Wir erinnern uns: Es sorgte ein einzelner Corona-Fall bei einem Hafenmitarbeiter in China im Juni bei Shenzhen und im August in Ningbo für eine Teilsperrung des viert- beziehungsweise drittgrößten Hafens der Welt. Das beeinträchtigt den internationalen Warenverkehr natürlich enorm. Die Folge sind erhöhte Lieferzeiten und einen Anstieg der Frachtkosten, erläutert der VDMA-Konjunkturexperte. Die Frachtraten zwischen China und Europa haben sich im bisherigen Jahresverlauf ohnehin schon mehr als versechsfacht, heißt es weiter.

Anhaltendes Exportwachstum nach China

Die Maschinenexporte in die beiden wichtigsten Einzelmärkte USA und China wiesen zuletzt eine gegenläufige Dynamik auf, denn im zweiten Quartal wurden 32,4 Prozent mehr Maschinen und Anlagen aus Deutschland in die USA exportiert, während das Vorjahresergebnis im ersten Quartal noch um 6,6 Prozent verfehlt wurde, kann man erfahren. In China lagen die Maschinenexporte aus Deutschland im zweiten Quartal 9,9 Prozent und im ersten Quartal sogar 20,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Erklärung von Wortmann: „Die USA und China waren vor einem Jahr unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. Nach einem kurzen Dämpfer zu Beginn des vergangenen Jahres sorgte das schnelle Hochfahren der Industrieproduktion für eine rasche Erholung der Maschinenexporte dorthin. Bereits im ersten Quartal 2021 wurde das Vorkrisenniveau übertroffen.“ Das habe man aber erwartet. Die USA werden bald auf Vorkrisenniveau sein, denn die Regierung schnürt ein milliardenschweres Konjunkturpaket.

Großbritanniens Exporte durch Impfkampagne beflügelt

Im zweiten Quartal lagen die gesamten Maschinenexporte aus Deutschland in die EU-27 um 26,1 Prozent über ihrem Vorjahresniveau. Das Exportgeschäft mit den drei wichtigsten Abnehmern aus der EU-27, Frankreich (plus 28,8 Prozent), Italien (plus 39,3 Prozent) und den Niederlanden (plus 14,0 Prozent) wuchs jeweils zweistellig, sagt der VDMA. Teilweise erklärt sich das auch wieder durch hohe Rückgänge im vergangenen Jahr. Ein hohes Exportwachstum verzeichneten ebenfalls die Türkei (plus 46,6 Prozent) und das Vereinigte Königreich (plus 68,1 Prozent). In der Türkei entlade sich der angelaufene Investitionsstau, der sich durch die Währungskrise aus 2018 und die Corona-Krise aufgebaut hat. Wie lange die positive Entwicklung anhält, bleibt abzuwarten, denn die Lira befindet sich weiter im Abwärtstrend, wodurch die Importe für die Türkei teurer werden, erklärt Wortmann. Im Vereinigten Königreich ist das öffentliche Leben fast zum Normalzustand zurückgekehrt, was einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung begünstigt. Davon profitieren letztlich auch die dortigen Maschinenexporteure. Südkorea ist das einzige Land unter den Top-20-Absatzländern mit einem Rückgang der Maschinenexporte aus Deutschland (minus 6,1 Prozent).

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