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3D-Betondruck Deutschlands erstes Mehrfamilienhaus aus dem 3D-Drucker

Redakteur: Stefan Guggenberger

Im bayerischen Wallenhausen soll das bisher größte 3D-gedruckte Wohnhaus Europas entstehen. Für die 380 qm braucht der 3D-Drucker etwa sechs Wochen. Haben die Bauherren Erfolg, könnte die Technologie eine Revolution in der Bauindustrie auslösen.

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Das Wohnhaus in Wallenhausen wird fünf Wohnungen auf drei Stockwerken bieten. Wenn Sie Interesse haben, können Sie sich noch auf eine 3D-gedruckte Wohnung bewerben.
Das Wohnhaus in Wallenhausen wird fünf Wohnungen auf drei Stockwerken bieten. Wenn Sie Interesse haben, können Sie sich noch auf eine 3D-gedruckte Wohnung bewerben.
(Bild: Achim Reissner // Peri)

Wie die Peri GmbH ankündigt, entsteht das größte 3D-gedruckte Mehrfamilienhaus Europas im bayerischen Wallenhausen. Auf drei Stockwerken wird das Gebäude insgesamt fünf Wohnungen haben. Dabei kommt ein hausgroßer 3D-Betondrucker zum Einsatz, der etwa sechs Wochen für den Bau des Hauses benötigt. Mit diesem Projekt möchten das Bauunternehmen und die Bauherren beweisen, dass 3D-Betondruck die Marktreife erreicht hat und mit traditionellen Verfahren konkurrieren kann.

Europas größtes Wohnhaus aus dem 3D-Drucker

Für einen Quadratmeter doppelschaliger Wand braucht der 3D-Drucker etwa fünf Minuten. Insgesamt soll der Bauprozess sechs Wochen dauern.
Für einen Quadratmeter doppelschaliger Wand braucht der 3D-Drucker etwa fünf Minuten. Insgesamt soll der Bauprozess sechs Wochen dauern.
(Bild: Peri)

In dem Mehrfamilienhaus wird es auf etwa 380 qm Wohnfläche Platz für fünf Familien geben. Damit wird es laut Peri das größte gedruckte Wohnhaus in Europa sein. Für das Haus in Wallenhausen veranschlagt das Unternehmen sechs Wochen reine Druckzeit. Wie schon bei vorherigen Projekten kommt ein Bod2-3D-Betondrucker vom dänischen Hersteller Cobod zum Einsatz. Bei dieser Anlage bewegt sich der Druckkopf über drei Achsen auf einem fest installierten Metallrahmen. In seinem Rahmen kann sich der Drucker dann an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen und soll nur einmal kalibriert werden müssen. Mit einer Aufbaurate von 1 m/s soll der Bod2 aktuell der schnellste 3D-Betondrucker sein. Für 1 m² doppelschalige Wand würde er daher nur etwa fünf Minuten benötigen.

3D-Druck soll Zeit und Kosten sparen

Zwei wichtige Argumente für den 3D-Betondruck sind seine Potenziale, Zeit und Kosten während des Bauprozesses zu reduzieren. Unter anderem werden während des Druckvorgangs bereits die später zu verlegenden Leitungen und Anschlüsse für Wasser und Strom berücksichtigt. Und während des eigentlichen Bauprozesses wird die Maschine von nur zwei Personen bedient. Außerdem ist der Bod2-Drucker so zertifiziert, dass während er aktiv ist, im Druckraum gearbeitet werden kann. Deshalb können einige Arbeiten, wie das Verlegen von Leerrohren und Anschlüssen, in den Rohbau integriert werden. „Mit dem Projekt in Wallenhausen macht das Peri 3D-Betondruck Team den nächsten wichtigen Schritt und Peri festigt seine Position als führendes Unternehmen im Bereich 3D-Betondruck“, so Thomas Imbacher, Geschäftsführer Marketing & Innovation der Peri Gruppe.

So entsteht das 3D-gedruckte Mehrfamilienhaus in Wallenhausen:

3D-Betondruck will in der konservativen Baubranche Fuß fassen

„Mit dem Druck des ersten Mehrfamilienhauses in Deutschland treten wir den Beweis an, dass diese neue Bautechnologie auch für den Druck größerer Wohneinheiten geeignet ist. Damit eröffnen wir dem 3D-Betondruck weitere Anwendungsbereiche in neuen Größenordnungen.“, erklärt Imbacher. Peri betont außerdem, dass es sich bei diesem Objekt nicht um ein Forschungs- oder Demonstrationsprojekt handelt. Vielmehr sollen die Wohnungen nach der Fertigstellung regulär vermietet werden. Noch können Sie sich also auf eine 3D-gedruckte Wohnung bewerben. Nur eine Wohneinheit wird weiterhin als Musterwohnung genutzt.

Der 3D-Betondruck hat in den letzten Monaten bedeutende Fortschritte gemacht. Erst im Oktober 2020 hatte Peri angekündigt, das erste 3D-gedruckte Wohnhaus Deutschlands im nordrhein-westfälischen Beckum zu errichten und knapp einen Monat später entsteht bereits ein Mehrparteienhaus für fünf Familien. Für den Erfolg der Technologie wird es sicherlich von entscheidender Bedeutung sein, das Vertrauen der Bauherren zu gewinnen. Außerdem gilt es, die eher konservative Bauindustrie von den Vorzügen des 3D-Betondrucks zu überzeugen. In Wallenhausen ist die die Michael Rupp Bauunternehmung GmbH Bauherr des ersten 3D-gedruckten Mehrfamilienhauses Deutschlands. Sebastian Rupp, einer der zukünftigen Geschäftsführer, sieht die Entwicklung positiv: „Wir rechnen dieser neuen Technologie große Zukunftschancen aus, und wir wollen diese Zukunft mitgestalten. Bei aller Tradition unseres Handwerks sind wir eben auch innovativ und scheuen keine neuen Herausforderungen – im Gegenteil.“

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