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Lebensmitteldruck Diese vegetarischen Steaks kommen aus dem 3D-Drucker

| Redakteur: Stefan Guggenberger

Pflanzenbasierte Burger, die in Textur und Geschmack einem Fleischprodukt nachempfunden sind, gibt es mittlerweile in fast jedem Supermarkt. Nun wagt sich ein israelisches Unternehmen an den Heiligen Gral der Fleischliebhaber: ein 3D-gedrucktes Steak auf Pflanzenbasis.

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3D-gedruckte Steaks auf Pflanzenbasis sollen herkömmliche Steaks ersetzen, wenn es nach dem israelischen Start-up Redefine Meat geht.
3D-gedruckte Steaks auf Pflanzenbasis sollen herkömmliche Steaks ersetzen, wenn es nach dem israelischen Start-up Redefine Meat geht.
(Bild: Redefine Meat)

In einem Labor in Rehovot, Israel, druckt ein 3D-Drucker von der Größe eines Industriekühlschranks pflanzliche Steaks. Redefine Meat, das Start-up-Unternehmen, welches die Technologie entwickelt hat, sieht darin den nächsten Schritt für die Welt der alternativen Proteine: Wenn Firmen wie Impossible Foods Burger auf pflanzlicher Basis geschaffen haben, die fleischig genug sind, um Fleischesser in Versuchung zu führen, dann gibt es auch einen Markt für realistisches Kunstfleisch aus dem 3D-Drucker.

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Die Gründer von Redefine Meat haben sich bei der Entwicklung von 3D-Druckern für HP kennengelernt. Jetzt entwickeln sie individuelle 3D-Drucker, die darauf abzielen, Fleisch nachzubilden, indem sie Schichten von, wie sie es nennen, "Alt-Muskel", "Alt-Fett" und "Alt-Blut" drucken und so ein komplexes 3D-Modell erstellen. "Echtes Fleisch ist ein extrem kompliziertes Produkt, bei dem ein Großteil der sensorischen Erfahrung von der Matrix kommt", sagt Mitbegründer und CEO Eshchar Ben-Shitrit. "Fleisch besteht nicht nur aus Proteinen, Fetten und Wasser. Vor allem Rindfleisch ist ein Produkt, das über Jahre an einer Kuh entsteht und so ein einzigartiges Aroma sowie Mundgefühl entwickelt".

Restaurants sollen Steakrezept anpassen können

Das Unternehmen wird ihre 3D-Drucker an Restaurants verkaufen, die das digitale Rezept so anpassen können, dass "Änderungen am Produkt ohne Kosten oder Komplexität erfolgen", sagt Ben-Shitrit. "Wir können ein 3D-Modell eines völlig anderen Fleischprodukts mit dem gleichen 3D-Drucker, dem gleichen Verfahren und den gleichen Zutaten verwenden, während herkömmliche Lebensmittelproduktionen ganze Fertigungshallen ändern müssen. Wir können auch ein Steak iterieren, so dass es weicher, härter, saftiger mit weniger Fett und viel mehr ist - und das alles mit einem einfachen Knopfdruck". Aktuell dürften die Kosten für ein „Alt-Steak“ noch die eines herkömmlichen Steaks überschreiten, was laut Redifine Meat aber nicht so bleiben soll: Die direkte Verarbeitung und Umwandlung von Pflanzen ist schlicht effektiver, als der Umweg über die Kuh.

Das Team hat mit Köchen, Metzgern, Lebensmitteltechnologen und Geschmacksexperten zusammengearbeitet, um zu versuchen, die Textur und das Mundgefühl von Steaks nachzubilden. "Wir arbeiten daran, die gesamte Palette von Fleischprodukten, die von Tieren stammen, neu zu kreieren", sagt Ben-Shitrit. "Das Steak ist jedoch das stärkste und aussagekräftigste Symbol für das, was 'Fleisch' ist. Es ist auch aus technischer Sicht das anspruchsvollste Produkt. Es hat nicht nur eine sehr einzigartige Struktur, Textur und Geschmack, sondern aus kulinarischer Sicht hat es auch keine Brötchen oder viele Abdeckelemente, die die sensorische Erfahrung kaschieren - es wird normalerweise pur und ohne Soßen oder Beilagen verzehrt.

Fleisch aus dem 3D-Drucker ist nachhaltiger als tierische Produkte

Wie andere Fleischimitate auf pflanzlicher Basis hat das neue Produkt Umweltvorteile; das Team hat berechnet, dass es 90 % weniger Wasser verbraucht, 95 % weniger Land nutzt und 90 % weniger Kohlendioxid ausstößt als Fleisch von einer Kuh. Das 3D-gedruckte Steak soll auch gesünder sein, mit weniger Fett als Fleisch und ohne Cholesterin, aber mit der gleichen Menge an Protein und mehr Ballaststoffen.

Die Markteinführung wird noch 2020 mit der Erprobung der 3D-Drucker in Restaurants beginnen. Ein breiter Vertrieb der 3D-Drucker soll dann 2021 erfolgen. Redefine Meat glauben, dass sie mit ihren Produkten den Zeitgeist treffen. "Wir glauben, dass wir in den nächsten 20 Jahren einen massiven Wandel hin zum Ersatz von Tieren in der Lebensmittelproduktion erleben werden", sagt Ben-Shitrit. "Dies wird bei Eiern, Milchprodukten und Fleisch geschehen, aber das größte Problem ist zweifellos das Fleisch". Längerfristig glaubt er, dass sich die Branche vollständig umstellen könnte. "In hundert Jahren werden unsere Urenkel schockiert sein, dass wir Tiere für die Ernährung aufziehen und töten mussten.“

Hier sehen Sie, wie das 3D-gedruckte Steak entsteht:

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