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Formlabs im Interview Europäische Unternehmen sind klischeehaft konservativ

| Redakteur: Anna-Lena Dosch

Markus Mager, Customer Development Manager bei Formlabs, hat mit Mission Additive über die zukünftige Rolle von AM in der Fertigung und den Einfluss des 3D-Drucks auf bestehende Konventionen gesprochen.

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Löst die additive Fertigung die konventionelle Fertigung in Zukunft ab oder spielt sie erstmal nur eine ergänzende Rolle? Markus Mager spricht über die ausgelösten Veränderungen durch den 3D-Druck und inwiefern dadurch Konventionen gesprengt werden.
Löst die additive Fertigung die konventionelle Fertigung in Zukunft ab oder spielt sie erstmal nur eine ergänzende Rolle? Markus Mager spricht über die ausgelösten Veränderungen durch den 3D-Druck und inwiefern dadurch Konventionen gesprengt werden.
(Bild: gemeinfrei // Pixabay )

Markus Mager stellt gleich zu Beginn des Interviews klar, dass Konventionen in der Fertigung ein breites Themenfeld mit unzähligen unterschiedlichen Aspekten betreffen. Für ihn steht fest, dass 3D-Druck aufgrund der Flexibilität der Anlagen viele Aufgaben in der Entwicklung übernehmen kann.

Wenn Sie über die Produktion und 3D-Druck nachdenken, was fällt Ihnen als Erstes dazu ein?

Markus Mager, Customer Development Manager bei Formlabs
Markus Mager, Customer Development Manager bei Formlabs
(Bild: Formlabs )

Markus Mager: Das Tolle am 3D-Druck ist, dass alle Entwicklungsphasen mit einem Werkzeug abgebildet werden können. Nicht wie in der konventionellen Fertigung, in der viele Zwischenschritte mit diversen Maschinen nötig sind. Die Anzahl der Werkzeuge, die Anzahl der Prozesse können im Zuge der additiven Fertigung stark konsolidieren, d.h. die Kommunikation der verschiedenen Schritte wird stark vereinfacht. Eine klassische Konvention über die nicht genug gesprochen wird.

<blockquote class="inf-blockquote">Man hat somit die volle Kontrolle über den gesamten Prozess/Workflow. </blockquote>

<p class="inf-blockquote-author">Markus Mager</p>

Sehen Sie weitere Vorteile bei der additiven Fertigung?

Markus Mager: Einen weiteren Pluspunkt von inhouse AM stellt die Tatsache dar, dass man intern auf Wissen zurückgreifen und schnell auf diverse Anforderungen reagieren kann, da die Kommunikation zu externen Produktionsstätten wegfällt. So werden langwierige, preisintensive Auslagerungen, wie bei der konventionellen Fertigung üblich, umgangen. Des Weiteren muss das Unternehmen keine Teile des Designs preisgeben, was natürlich jedes Unternehmen weitestgehend vermeiden will. Man hat somit die volle Kontrolle über den gesamten Prozess/Workflow.

Läuft dieser Prozess bei Formlabs schon reibungslos?

Markus Mager: In absehbarer Zeit kommen wir mit 3D-Druck noch nicht an die Stückzahl, die in der konventionellen Produktionstechnik machbar ist. Als Beispiel wäre hier der Spritzguss zu nennen. Auf die Kosten pro Teil, die es in diesem Bereich derzeit bei der konventionellen Fertigung gibt, kommen wir noch nicht.

AM als eigenständige Fertigung oder Teilergänzung?

Markus Mager: Ich siehe die additive Fertigung in erster Linie als Ergänzung zur konventionellen Fertigungstechnologie. Bei beispielsweise der Zahntechnik kann man den konventionellen Teil komplett überspringen – jedoch sind solche Bereiche ‚Nischenbereiche‘ und daher limitiert. Der Gedanke, 3D-Druck solle die konventionelle Fertigung komplett ablösen, schränkt ein Unternehmen im Tun ein. Es sollte lieber in die Richtung gedacht werden, dass die beiden Fertigungsarten sich ergänzen und helfen können.

Sehen Sie ein Interessenanstieg in der 3D-Druck-Branche?

Markus Mager: Der leichtere Zugang, wegen niedrigeren Anschaffungskosten eines 3D-Druckers – auch im privaten Eigenheim – führte zu einem ansteigenden Interesse in diesem Themenfeld. Selbst Schüler kommen an manchen Schulen, oder Zuhause, schon mit dieser Technik in Berührung und können eigene Ideen entwickeln. Die Hürde, damit ein eigenes Design/Tool zu entwickeln ist deutlich gesunken und so entstehen als Folge viele neue Innovationen. Jedoch auch im Materialbereich wird sich vieles ändern. Durch die additive Fertigung sind viele neue Anwendungen möglich.

Stellen Sie eine Veränderung in Ihrem Unternehmen fest?

Markus Mager: Was sich in den letzten drei Jahren bemerkenswert verändert hat, ist das Wissen auf diesem Gebiet. Noch vor 1,5 Jahren hätten die Leute eher gestaunt, heute ist das Wissen fundierter und viele Leute haben eine gewisse Grunderfahrung auf dem Gebiet. Das Wissen ist sehr viel technischer, spezifischer und realistischer. Die Mitarbeiter der Branche müssten mittlerweile nicht mehr so viel erklären, was 3D-Druck ist und können somit schnell an konkreten Ideen arbeiten.

<blockquote class="inf-blockquote">In Europa ist man eher konservativ aufgestellt und tut sich schwer damit, [...] Hürden zu überwinden. </blockquote>

<p class="inf-blockquote-author">Markus Mager</p>

Welche Branche hat für Formlabs in Zukunft das größte Potenzial?

Markus Mager: In diesem Zusammenhang kommt es auf die Definition des Wortes Potenzial an. Die Zahnmedizin wurde durch die additive Fertigung grundlegend verändert und die traditionellen Methoden durch sie ersetzt. Es gibt in jeder Branche, mit der sich das Unternehmen beschäftigt, eine Nische, in der es ein hohes Potenzial gibt. Daher kann hier keine Branche ausgeschlossen werden aber außer die Zahnmedizin auch keine ganz inkludiert werden.

Wieso setzen Firmen in den Vereinigten Staaten und Asien mehr auf 3D-Drucktechnologien als Unternehmen in Europa?

Markus Mager: Durch neue Prozesse und die unbekannten Komponenten, die dadurch auftauchen geht es um die Frage der Zertifizierung, welche viel Geld kostet. Um die nötige Motivation bei den Unternehmen aufzubringen, die finanzielle Hürde zunehmen, muss der Usecase entsprechend groß sein. In Europa ist man eher konservativ aufgestellt und tut sich schwer damit, diese Hürden zu überwinden. Das ist klischeehaft aber eben auch wahr.

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