3D-Druck Marktnews Evonik steigt bei SLA-Marktführer in China ein

Redakteur: Stefan Guggenberger

Der Evonik-Konzern hat eine Minderheitsbeteiligung am chinesischen Unternehmen Uniontech erworben. Dadurch erhoffen sich die Essener in Zukunft einige Vorteile, um eine schnelle Rendite soll es dabei vorrangig nicht gehen.

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Die additive Fertigung boomt in China, zukünftig möchte auch Evonik davon profitieren.
Die additive Fertigung boomt in China, zukünftig möchte auch Evonik davon profitieren.
(Bild: Evonik)

Über seine Vernture-Capital-Einheit hat das Spezialchemieunternehmen Evonik eine Minderheitsbeteiligung am chinesischen Stereolithographie-Spezialisten Uniontech erworben. Uniontech stammt aus Shanghai und stellt hauptsächlich SLA-3D-Drucker her. Wie Evonik in einer Pressemitteilung mitteilt, erhofft man sich durch das Investment aber keine schnellen Renditen. Vielmehr wollen die Essener mit Uniontech kooperieren und von Synergieeffekten profitieren.

Ein unbekannter Riese

Der Name Uniontech dürfte bislang vor allem Kennern des Marktes für SLA-3D-Drucker bekannt sein. Dabei ist das Unternehmen keineswegs neu auf dem Markt: Uniontech wurde bereits im Jahr 2000 gegründet und war zunächst exklusiv in China aktiv. Damals gab es in China quasi noch keine Anbieter für additive Fertigungsanlagen und der Markt entwickelte sich nur schleppend. Bis 2012 verkaufte Uniontech zwischen einer und 15 Anlagen. In den kommenden Jahren zeigte die 3D-Druckindustrie im Reich der Mitte jedoch eine erstaunliche Dynamik. 2015 verkaufte das Unternehmen schon 162 Anlagen und 2019 waren es dann 747. Nach eigenen Angaben ist Uniontech der größte Anbieter im Bereich der Stereolithographie in China, mit einem Marktanteil von 55 Prozent. Seit 2016 ist das Unternehmen auch auf internationalen Märkten tätig und erschließt sich sukzessive neue Kunden in Nordamerika, Europa und Russland.

Evonik hofft auf Zugang zum chinesischen Markt

Laut Unternehmensangaben spielt das Innovationswachstumsfeld AM eine wichtige Rolle für die Zukunft von Evonik. Entsprechend möchte man sich strategisch auf den internationalen Märkten positionieren. Bernhard Mohr, Leiter der Venture Capital-Einheit: „Wir erwarten große technische Fortschritte im Bereich der Stereolithographie. Evonik bereitet die Einführung von gebrauchsfertigen Materialien für diesen Prozess vor. Unsere Investition zielt daher nicht nur auf eine rentable finanzielle Rendite ab, sondern vor allem auf neue Erkenntnisse in der Nutzung dieses Prozesses.“ Durch die Kooperation mit Uniontech erwartet Evonik einen beschleunigten Marktzugang für die neuen Photopolymerprodukte, insbesondere auf dem sehr schnell wachsenden chinesischen Markt, so Mohr weiter.

So funktioniert SLA-3D-Druck

Stereolithographie wurde 1986 von Charles (Chuk) Hull patentiert und wird weithin als das erste Verfahren im Bereich Additive Fertigung anerkannt. Ein mit flüssigem Photopolymer (ein Harz) gefülltes Becken dient als Ausgangsbasis des SLA-Verfahrens. Mittels eines UV-Lasers wird das photosensitive Material an den definierten Stellen ausgehärtet. Ist eine Schicht fertig, wird die Plattform entsprechend in der Flüssigkeit heruntergefahren, und der Prozess beginnt von vorn. Da sich das gesamte Werkstück während des Fertigungsprozesses in einem Flüssigkeitsbad befindet, sind meistens Stützstrukturen notwendig. Die Stützen ermöglichen es, komplexe Geometrien mit hoher Präzision zu fertigen, ohne dass Überhänge in der Flüssigkeit absinken.

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Neue Materialien für SLA-3D-Drucker

Aktuell bereitet Evonik die Markteinführung einer neuen Materiallinie der Infinam Photopolymere vor. „Mit der bevorstehenden Einführung der neuen Produkte und der aktuellen Beteiligung an Uniontech erweitern wir unsere Aktivitäten als zuverlässiger Partner der Branche bei der Entwicklung und Herstellung von Hochleistungsmaterialien für den 3D-Druck, um unsere Geschäftsaktivitäten entlang der wichtigen Photopolymer-Technologie zu stärken“, sagt Thomas Große-Puppendahl, Leiter des Innovationswachstumsfeldes Additive Manufacturing bei Evonik. Neben dem Polymer-Portfolio für pulverbasierte Verfahren und Filamenten als Biomaterialen für die Medizintechnik wird Evonik eine Reihe ready-to-use Harze für Photopolymer-basierte Technologien anbieten, um die Materiallandschaft des gesamten 3D-Druckmarktes weiter zu diversifizieren, so Große-Puppendahl. Auch Jinsong Ma, Geschäftsführer von Uniontech, begrüßt die strategische Beteiligung des Spezialchemieunternehmens: „Evonik produziert Materialien für alle gängigen 3D-Druckverfahren. Das macht das Unternehmen zu einem idealen Partner, um mit uns weiter zu wachsen. Dies gibt uns direkten Zugang zu den Materialien, die wir für unsere Kunden benötigen.“

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