3D-gedruckte Häuser In Kalifornien entsteht die erste 3D-gedruckte Nachbarschaft

Redakteur: Stefan Guggenberger

Im sonnigen Rancho Mirage wird die erste 3D-gedruckte Siedlung der Welt errichtet. Dabei sollen zunächst 15 weitläufige Bungalows entstehen, die mit smarter Technologie ausgestattet sind und sich selbst mit Energie versorgen sollen.

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Mighty Buildings möchte mit der ersten 3D-gedruckten Siedlung zeigen, dass die Technologie nicht nur ein Experiment ist, sondern massentauglich ist.
Mighty Buildings möchte mit der ersten 3D-gedruckten Siedlung zeigen, dass die Technologie nicht nur ein Experiment ist, sondern massentauglich ist.
(Bild: Mighty Buildings)

3D-gedruckte Häuser sind aktuell eines der spannendsten Themen der Bauindustrie. Beinahe wöchentlich werden dementsprechend neue Projekte vorgestellt. Wieso 3D-Druck in der Architektur nicht nur ein Trend ist, sondern in Zukunft zu einem Standardverfahren werden könnte, erklären wir hier anhand von acht Gründen und den dazu passenden Projekten. Nun möchten Mighty Buildings und die Palari Group einen neuen Meilenstein in der Entwicklung der additiven Bauindustrie setzen: Im kalifornischen Rancho Mirage wird auf mehr als 14.000 Quadratmetern die erste 3D-gedruckte Siedlung weltweit entstehen. "Dies wird die erste Umsetzung unserer Vision für die Zukunft des Wohnens sein - schnell, erschwinglich, nachhaltig und in der Lage, die umliegenden Gemeinden mit einer positiven Dynamik zu bereichern", erklär Alexey Dubov, Mitbegründer und COO von Mighty Buildings. Wie haben uns angeschaut, was Dubov damit genau meint.

Das bieten die 3D-gedruckten Bungalows

Optisch erinnern die 3D-gedruckten Wohneinheiten an andere moderne Bungalows, die auf ein reduziertes Design sowie klare Linien setzen. Bodentiefe Fenster sorgen für viel Licht und ein offenes Raumgefühl. Der sichtbare 3D-gedruckte Baustoff wird mit natürlichen Materialien wie Holz kombiniert. Dazu werden die betonierten beziehungsweise gepflasterten Flächen durch kleinere Grünanlagen unterbrochen, wodurch eine angenehme Atmosphäre geschaffen werden soll.

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Insgesamt wird jedes Haupthaus etwa 135 Quadratmeter Wohnraum mit drei Schlaf- und zwei Badezimmern bieten. Keller oder einen zweiten Stock wird es nicht geben. Wie in den USA nicht unüblich wird es neben dem Haupthaus noch ein Gäste- beziehungsweise Poolhaus geben. Dieses bietet nochmals 65 zusätzliche Quadratmeter sowie zwei Schlafmöglichkeiten und ein Badezimmer.

Und da es im Süden Kaliforniens maximal an vier Tagen im Monat regnet (Dezember und Januar) und von Juni bis September im Durchschnitt kein einziges Mal, sind die 3D-gedruckten Häuser in Rancho Mirage alle mit einem Swimmingpool und einem Sonnendeck ausgestattet.

Smartes Bauverfahren soll schneller, günstiger und nachhaltiger sein

Anders als andere Unternehmen setzt Mighty Buildings nicht auf Beton als Ausgangsmaterial für sein Bauverfahren. Stattdessen werden die Häuser mit dem Light Stone Material des Unternehmens gedruckt. Diese soll erst durch die Einwirkung von UV-Licht aushärten und seine endgültige Form erhalten. Das Verfahren soll zudem weitgehend automatisiert sein: Laut Unternehmensangaben werden sowohl der Bauprozess als auch die Qualitätsscans von Robotern ausgeführt. Mighty Buildings erklärt weiterhin, dass ihr Verfahren nachhaltiger, schneller und günstiger als herkömmliche Verfahren sein soll. Insgesamt sollen die Kosten für Hausbauende um etwa 40 Prozent reduziert werden können. Da nur so viel Material verarbeitet wird, wie auch gebraucht wird, soll der Bauabfall sogar um 99 Prozent reduziert werden können. Ob diese Angaben auch der Praxis standhalten können, wird sich wohl erst nach Fertigstellung der ersten Siedlung zeigen. Diese soll dann im Frühjahr 2022 bezugsfertig sein.

Wie sich die sinkenden Baukosten auf den Preis der Grundstücke inklusive der 3D-gedruckten Häuser auswirken wird, ist noch nicht bekannt. Laut den US-Immobilienplattformen Redfin und Realtor liegt der durchschnittliche Kaufpreis in der Region um Rancho Mirage bei ungefähr 650.000 US-Dollar und trotz Krise stiegen die Preise im vergangenen Jahr um etwa 15 Prozent. Mighty Buildings hat sich für seine additive Mustersiedlung also einen verkäuferfreundlichen Markt ausgesucht.

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Smarte Technologie sorgt für Wellness und aufgeladene E-Autos

Die Häuser werden mit einer sogenannten ‚Wellness-Intelligence-Solution‘ ausgestattet sein, die Wohnaspekte wie Luft- und Wasserqualität sowie Lampen und den Lichteinfall von außen steuern kann. Laut Mighty Buildings schafft diese Integration von intelligenter Technik sowohl ein komfortables als auch ein nachhaltiges Wohnerlebnis, da nur dann Energie verbraucht wird, wenn sie benötigt wird.

Im Einklang mit diesem umweltfreundlichen Trend sollen die Häuser energieautark sein, das heißt, sie werden mit Solarenergie und optionalen Tesla-Powerwall-Batterien betrieben. Die Batterielösung von Tesla speichert überschüssige Solarenergie und macht sie so für die Bewohner auf Abruf nutzbar. Unter anderem kann die Technologie dazu genutzt werden, ein Elektroauto über Nacht aufzuladen.

"Das Projekt zielt darauf ab, die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren und nachhaltigkeitsbewussten Käufern ein intelligentes und gesundes Zuhause zu bieten", fasst Mighty Buildings in einer Pressemitteilung zusammen. Für das Unternehmen soll die Siedlung in Rancho Mirage als Leuchtturm-Projekt dienen, mit dem die Potenziale 3D-gedruckter Häuser demonstriert werden. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen bereits mit der Planung von Nachfolgeprojekten beschäftigt.

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