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Kommentar Krisenprofiteur 3D-Druck?!

| Redakteur: Joscha Riemann

Meldungen über Lieferengpässe bei Beatmungsgeräten, Schutzkleidung und Mundschutzen sind aktuell Bestandteil fast aller Nachrichtensendungen. Unternehmen aus der 3D-Druck Branche unterstützen flexibel und drucken viele Mangelgüter. Doch ist jeder Gesichtsschild eine eigene Nachricht wert? Und wie sieht der Blick in die Zukunft aus?

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Welche Produkte könnten in den nächsten Wochen einen weiteren Engpass herbeiführen? Welche Lieferketten sind gefährdet und kann die additive Fertigung etwas dagegen unternehmen?
Welche Produkte könnten in den nächsten Wochen einen weiteren Engpass herbeiführen? Welche Lieferketten sind gefährdet und kann die additive Fertigung etwas dagegen unternehmen?
(Bild: gemeinfrei // unsplash)

Als Fachmedium für additive Fertigung erhalten wir täglich zahlreiche Pressemitteilungen zu Aktivitäten der AM-Branche zur Coronabekämpfung. Uns begeistert das Engagement und der Einfallsreichtum, dennoch sehen wir nicht alles positiv.

Weltweit sind medizinische Einrichtungen mit Lieferengpässen bei Beatmungsgeräten, Schutzkleidung und Mundschutzen konfrontiert und benötigen schnellstmöglich Hilfe. Allen Erkrankten zu helfen und sich selbst zu schützen, ist mit herkömmlichen Mitteln kaum schaffbar. Unternehmen, die additiv fertigen, springen flexibel ein und drucken viele Mangelgüter wie Gesichtsschilde, Teile von Beatmungsgeräten und Mundschutzmasken.

Doch lassen sich daraus auch längerfristige Entwicklungstendenzen für die Branche ziehen? Wir haben drei Erkenntnisse für Sie zusammengefasst:

Erkenntnis 1: Die Kreativität der Branche ist enorm. // Eine Chance wird dabei verpasst.

Viele Unternehmen jeder Größe reagieren und helfen mit im Kampf gegen Corona. Auch Unternehmen aus der 3D-Druck-Branche stellen ihre eigene Produktion zurück, um Atemschutzmasken, Gesichtsschutzschilde oder Ventile für Beatmungsmasken zu fertigen. Dies ist für alle medizinischen Einrichtungen eine große Hilfe; Menschenleben konnten dadurch bereits gerettet werden. Die vielen Use-Cases zeigen, wie schnell die additive Fertigung in Notsituationen helfen kann, unterbrochene Lieferketten (zumindest anteilig) schließt oder wie innovative Problemlösungen durch additives Denken neue Potentiale erschließen.

Meldungen über 3D-gedruckte Hilfsgüter werden daher von den Publikumsmedien gierig als „Good News“ aufgesogen und veröffentlicht. Da liegt es für jedes Unternehmen nahe, den schnellen Weg in die Öffentlichkeit zu suchen.

Doch ist wirklich jeder 3D-gedruckte Mundschutz oder Gesichtsschild eine eigene Meldung wert? Die Frage lässt sich insofern mit „JA“ beantworten, als die Medien jede neue Pressemitteilung trotz mittlerweile stetiger Wiederholung immer wieder aufgreifen. Andere Bereiche, in denen der 3D-Druck Potentiale heben könnte, kommen da etwas kurz.

Doch wenn jedes Unternehmen seine eigene Lösung entwickelt oder ein eigenes, neues Netzwerk aufbaut, zerfasert das Innovationspotential, welches gemeinsam entwickelte Innovationslösungen und Netzwerke in sich bergen könnten. So vergibt die AM-Industrie die Chance, mit viel größerer Schlagkraft und Wirksamkeit in der Krisenbewältigung zu unterstützen und das eigene Innovationspotential nachhaltig unter Beweis zu stellen.

Erkenntnis 2: Die additive Branche zeigt sich anpassungsfähig.

Die Corona Krise zeigt am Beispiel der persönlichen Schutzausrüstung eindringlich, in welchen Bereichen die Gesellschaft nicht weit genug denkt, plant und produziert. Diese Hilfsmittel werden gerade flächendeckend gebraucht, weswegen eine Versorgung der medizinischen Einrichtungen derzeit von größter Bedeutung ist. Die Preissensitivität im Einkauf ist daher gering.

Durch die schnelle Adaptierbarkeit des 3D-Drucks für die Umstellung auf andere Produkte und die Flexibilität der additiven Fertigung bietet sich für Unternehmen mit AM-Expertise so auch die Chance, eigene wegfallende Aufträge durch neue Aufträge aus dem medizinischen Bereich aufzufangen. So besteht auch in der Krise die Möglichkeit, die ökonomische Existenz zu sichern.

Erkenntnis 3: On-Demand-Druck – auch außerhalb der Medizinbranche ein „echter“ Use-Case?

Aber was kommt nach fehlenden Gesichtsmasken auf uns zu? Wenn die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden und die größte Ansteckungsgefahr vorüber ist? Die Frage ist nun, welche Produkte nach der Ausgangsbeschränkung und in den kommen Wochen, wenn nicht sogar Monaten, knappe Güter darstellen werden. Wird es in der Lieferkette zu Unterbrechungen kommen und wenn ja: kann die 3D-Branche etwas dagegen unternehmen?

Viele Unternehmen haben ihre Produktion einstellen müssen. Die dezentrale Produktion, Serientauglichkeit und der On-Demand-Druck, die immer wieder als Vorteile der additiven Fertigung angeführt werden, sollte eigentlich genau hier eine Lösung bieten können.

Der Beweis wurde für die medizinische Branche erbracht, für die Industrie steht er noch aus. Lassen sich die Vorteile der additiven Fertigung wirklich ausspielen, um die Produktion beim Anlaufen zu unterstützen?

Es wird sich zeigen, ob 3D-Druck on-demand bei der Fertigung von Brückenserien unterstützen oder komplexe Lieferketten alleine schließen kann und welche Rolle er dabei spielt.

Crowd-Innovation-Plattform von Mission Additive

Welche Themen wollen die großen Unternehmen nach der Produktion von Gesichtsschutzmasken, Ventilen und Schutzbrillen angehen? Klar ist, dass die Wirtschaft nach der Corona-Krise nicht mehr die gleiche sein wird und sich von den Auswirkungen erst einmal erholen muss.
Wird es in der Lieferkette zu Unterbrechungen kommen und wenn ja: kann die 3D-Branche dagegen etwas unternehmen?
Welche Produkte werden in den kommenden Monaten, neben medizinischen Hilfsmitteln, dringend benötigt? Was braucht die Gesellschaft danach, wo könnten weitere Engpässe oder Probleme bei Lieferketten entstehen?
Wir versuchen diese Fragen mit der Schwarmintelligenz unserer Nutzer zu begegnen – werden auch Sie Teil der Crowd-Innovation-Plattform von Mission Additive und teilen Sie Ihre Meinung mit uns.

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