Lebensmittel-3D-Druck Pilotanlage für 3D-gedrucktes Hühnerfett entsteht in Belgien

Redakteur: Stefan Guggenberger

Meatech will in Belgien bis 2022 eine Pilotanlage für die additive Fertigung von Hühnerfett errichten. Das Fett soll zunächst den Geschmack von Fleischalternativen verbessern. In Zukunft möchte das Unternehmen aber ganze Fleischstücke drucken.

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Sind Hühner bald nur noch Zelllieferanten für Biotinten? So sieht zumindest die Vision von Meatech aus, die mit einigen Zellen als Grundlage ganze Hühnerbrüste drucken wollen.
Sind Hühner bald nur noch Zelllieferanten für Biotinten? So sieht zumindest die Vision von Meatech aus, die mit einigen Zellen als Grundlage ganze Hühnerbrüste drucken wollen.
(Bild: gemeinfrei // unsplash)

Das israelische Bioprinting-Unternehmen Meatech hat Pläne für eine Pilotfabrik in Belgien vorgestellt, in der Hühnerfett per 3D-Druck hergestellt wird. In der Anlage kommt das zellbasierte Druckverfahren des Unternehmens und Technologie der 2021 gekauften Tochter Peace of Meat zum Einsatz. Dabei werden lebenden Tieren einige Zellen entnommen, auf deren Basis dann Biotinten für die additive Fertigung von Fleischprodukten entwickelt werden. Die Pilotanlage soll bis 2022 die Produktion des Hühnerfetts aufnehmen. „Wir glauben, dass diese Anlage und die Skalierung unserer zellulären Technologie ein bedeutender Schritt in Richtung Kostenparität mit konventionellem Fleisch sein wird und unsere Vision der 'Fabrik der Zukunft' verwirklicht“, erklärt Sharon Fima, Geschäftsführer von Meatech.

Nicht nur Meatech arbeitet an 3D-gedruckten Lebensmitteln: In diesem Artikel haben wir von der Vorspeise bis zur Nachspeise ein 3D-gedrucktes Menü erstellt.

So funktioniert Bioprinting bei Meateach:

  1. Zellentnahme: Hühnern oder Rindern werden einige Zellen entnommen. Daraus werden Zellkulturen gezüchtet, die charakteristisch für das Endprodukt sind (z. B. Fett und Muskeln).
  2. Biotinten: In sogenannten Bio-Reaktoren werden die Biotinten auf Basis der entnommenen Zellen gezüchtet.
  3. 3D-Druck: Die Biotinten werden präzise 3D-gedruckt, um die bekannte Struktur von Fleischprodukten wie Steaks und Hühnerbrüsten nachzuahmen.
  4. Inkubation: In Inkubatoren reifen die gedruckten Produkte und entwickeln ihre endgültige Textur.
  5. 3D-gedrucktes Fleisch: Am Ende des Prozesses soll ein alternatives Fleischprodukt entstehen, welches sehr nah am Vorbild ist, aber nur einen Bruchteil der Zeit und Ressourcen benötigt.

Fleischalternativen sollen mehr nach Fleisch schmecken

Das 3D-gedruckte Hühnerfett ist kein eigenständiges Produkt, sondern soll die Qualität von Fleischersatzprodukten verbessern. Meatech verweist hier auf Tests im Labor und öffentliche Verkostungen, die zeigten, dass 3D-gedrucktes Hühnerfett den Geschmack, das Mundgefühl und die Textur von Fleischalternativen auf Pflanzenbasis verbessert.

Da das Hühnerfett mit den Zellen von lebenden Tieren gedruckt wird, ist das Endprodukt nicht mehr vegetarisch oder sogar vegan, sondern ein Hybrid aus verarbeiteten Pflanzen und kultivierten Zellen. Dazu soll das additive Hühnerfett auch die Gesamtzahl der Zutaten verringern, weil weniger geschmacksverstärkende oder strukturgebende Stoffe verwendet werden müssen. „Wir glauben, dass unser kultiviertes Fett eine äußerst vielversprechende Zusatzzutat ist, welche die Qualität von Fleischalternativen verbessert und das Marktwachstum vorantreibt“, fasst Fima zusammen.

Pilotanlage als Schaufenster für B2B-Kunden

Wie Meatech in einer Pressemitteilung erklärt, dient die Pilotanlage vor allem dazu, potenziellen B2B-Kunden die Leistungsfähigkeit der Technologie zu demonstrieren. In Zukunft möchte Meatech das additive Hühnerfett nicht selbst produzieren, sondern ihre Patente und Technologien an B2B-Kunden lizensieren, die dann eine eigene Fertigung aufbauen.

Wir glauben, dass wir damit B2B-Kunden, die kultivierte Zutaten in ihre Produkte aufnehmen wollen, einen voll funktionsfähigen Prozess demonstrieren können. Die Pilotanlage kann ein Modell für zukünftige Produktionsanlagen in größerem Maßstab sein.

Dirk von Heinrichshorst, CEO und Co-Gründer von Peace of Meat

Ganze Steaks und Hühnerbrüste sind der nächste Schritt

Das Hühnerfett ist für Meatech nur ein Zwischenschritt in der Entwicklung ihrer zellbasierten Bioprinting-Technologie. Sowohl das Verfahren als auch die Bioprinter des Unternehmens sind eigentlich dafür gedacht, Rindersteaks, Hühnerbrüste oder andere komplexe Fleischprodukte zu erzeugen. Noch ist die Technologie nicht so weit, laut Unternehmen sollen in Zukunft aber Steaks und Co. in der Pilotanlage gedruckt werden.

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