Suchen

Studie

Produktion aus dem 3D-Drucker wird Standard in deutschen Unternehmen

| Redakteur: Stefan Guggenberger

Ein Drittel der Ingenieure geben an, dass additiv gefertigte Komponenten bereits in ihren Produkten verbaut sind. Das ist das Ergebnis einer Studie des VDI und der RWTH Aachen. Die Umfrage zeigt außerdem, wie die Additive Fertigung in Unternehmen eingesetzt und wahrgenommen wird.

Firmen zum Thema

Studie des VDI und der RWTH Aachen: Additive Fertigung ist in deutschen Unternehmen angekommen.
Studie des VDI und der RWTH Aachen: Additive Fertigung ist in deutschen Unternehmen angekommen.
( Bild: JELL GmbH & Co. KG. )
  • 13 % der Befragten fertigen Endprodukte komplett additiv.
  • Die Automatisierung der Prozesskette hinkt hinterher.
  • In der additiven Ersatzteilfertigung ist mit einem starken Wachstum zu rechnen.
  • 3D-Druck wird als Chance und Bedrohung wahrgenommen.

Die Studie „Das Potenzial der additiven Fertigung: Digitale Technologien im Unternehmenskontext“ des VDI und der RWTH Aachen zeigt: Die additive Fertigung ist bei der Produktentwicklung in Deutschland im Alltag angekommen. Rund 72 % der 560 Umfrageteilnehmer setzen AM für die Fertigung von Prototypen und Pilotserien ein. Weitere 16 % prognostizieren eine Anwendung innerhalb von zwei Jahren. Über ein Drittel der Befragten arbeitet bei AM-Projekten mit externen Dienstleistern zusammen. Die Hälfte kann sich vorstellen, externe Unterstützung in den nächsten zwei Jahren zu beauftragen.

Additive Fertigung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Knapp 13 % der Befragten nutzen AM aktuell in ihrem Unternehmen für die komplette Produktion von Endprodukten. Weitere 17 % können sich vorstellen, dass das innerhalb der nächsten zwei Jahre der Fall sein wird. Ein Drittel gibt zudem an, dass schon jetzt additiv gefertigte Komponenten in ihren Produkten sind, und ein weiteres Drittel nimmt an, dass das in absehbarer Zeit der Fall sein wird.

Automatisierung hinkt hinterher

Auffällig ist, dass vor allem die Automatisierung der Prozesskette hinterherhinkt – hier würden lediglich 40,92 % zustimmen, dass es in den letzten 2,5 Jahren große Fortschritte gab. Bei vielen anderen Kenngrößen zur Leistungsfähigkeit wurden dagegen deutliche Fortschritte festgestellt. Insbesondere wurden neue industrielle Verfahren (71,54 %) und die realisierbaren Bauteilgrößen (70,83 %) positiv bewertet.

Vielfältige Anwendungsgebiete

Die Umfrage zeigt außerdem, dass die Befragten die additive Fertigung nicht nur für die Produktion von Prototypen, Produktteilen oder vollständigen Produkten nutzen, sondern sie diese auch für die Herstellung von Fertigungswerkzeugen und Montagetools einsetzen. Ein Drittel der Befragten gibt an, dies bereits implementiert zu haben. Insgesamt kann sich über die Hälfte der Befragten die Nutzung additiver Fertigung dafür konkret vorstellen.

Großes Potenzial im Ersatzteilmanagement

Besonders im Bereich der Ersatzeilfertigung findet die neue Technik großen Anklang. 20 % der Teilnehmen haben für das Ersatzteilmanagement schon additive Fertigung in der Praxis umgesetzt. Weitere 24 % sehen hier in den nächsten zwei Jahren Potenziale. Mit 3D-Druck lassen sich Lieferzeiten und Lagerkosten verringern. Hinzukommt die Möglichkeit des Reverse Engineerings, mit dem Bauteile hergestellt werden können, deren Originalpläne nicht mehr vorliegen oder unzureichend sind.

Chance oder Bedrohung

Trotz des Potenzials und der breiten Anerkennung in der Forschung und unter Experten variiert die Bewertung der additiven Fertigung in Unternehmen sehr. Einige sehen sie als Chance für komplexe, individualisierte Designs, die zuvor nicht möglich waren. Vor allem junge Mitarbeiter sehen eher die positiven Aspekte, wohingegen erfahrenere Mitarbeiter eher dazu tendieren, eine Bedrohung wahrzunehmen. Vielfach wird von neuen Geschäftsmodellen, Veränderungen von Produktionsstrukturen und neuen Mitarbeiterqualifikationen gesprochen.

Andere wiederum sehen die Technik eher negativ und sind skeptisch hinsichtlich des Potenzials und des Grads der möglichen Verbesserung der aktuell eher mittelmäßigen (Oberflächen-) Qualität und bemängeln die mit der Technologie einhergehenden höheren Kosten in Anschaffung und Produktion.

Zur Studie: Insgesamt haben 561 Ingenieure aus einer breiten Anzahl an Branchen teilgenommen. Die Befragten waren zwischen 25 und 64 Jahren alt und hatten zu 70 % mehr als 10 Jahre Berufserfahrung.

Die komplette Studie „Das Potenzial der additiven Fertigung: Digitale Technologien im Unternehmenskontext“ können Sie hier downloaden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 46031146)

© Simone Käfer; EOS; Deutsche Bahn AG; gemeinfrei; Pixabay; Siemens; mesago; JELL GmbH & Co. KG.; ©Maksim Shebeko - stock.adobe.com; unsplash.com; Fraunhofer ILT; Ansys; unsplash; Hage3D; Formlabs; Ampower; pixabay.com