Suchen

Marktübersicht SLM-Solutions und 3D-Druckdienstleister trotzen der Corona-Krise

| Redakteur: Stefan Guggenberger

Die Corona-Pandemie bestimmt das Wirtschaftsjahr 2020, auch im Bereich der additiven Fertigung gibt es Gewinner und Verlierer. Während einige Dienstleister ihre Umsätze steigern können, haben viele 3D-Druckerhersteller mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen.

Firmen zum Thema

Die Corona-Pandemie friert weltweit Investitionsströme ein. Für Unternehmen der 3D-Branche gilt es aktuell viele Gefahren zu umschiffen, was einigen Unternehmen bisher auch gut gelingt.
Die Corona-Pandemie friert weltweit Investitionsströme ein. Für Unternehmen der 3D-Branche gilt es aktuell viele Gefahren zu umschiffen, was einigen Unternehmen bisher auch gut gelingt.
(Bild: gemeinfrei // unsplash)

Viele Hersteller von industrietauglichen 3D-Drucksystemen, also Anlagen mit einem Anschaffungswert von mehr als 100.000 US-Dollar, haben im ersten Quartal mit Absatzproblemen zu kämpfen. Laut dem englischen Marktforschungsinstitut Context schrumpfte der Markt für diese 3D-Industriedrucker im ersten Quartal 2020 um -23 %. Umso mehr überraschen die äußert positiven Quartalszahlen des deutschen Herstellers SLM Solutions. Mit einem Gesamtumsatz von 17,8 Mio. Euro konnten die Lübecker ihren Umsatz aus 2019 (7,3 Mio. Euro) mehr als verdoppeln.

Im Gegenzug sind 3D-Druckdienstleister von der Corona-Krise wohl weniger betroffen. Protolabs meldete für das erste Quartal 2020 im Bereich 3D-Druck sogar eine Umsatzsteigerung von 10,1 %, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Andere 3D-Dienstleister konnten ihre Umsätze zwar nicht steigern, mussten aber nur einen geringen Umsatzrückgang verzeichnen. Der belgische 3D-Druckdienstleister Materialise meldete für das erste Quartal 2020 beispielsweise einen um -1,8 % geringeren Umsatz als im Jahr 2019.

Viele 3D-Druckerhersteller leiden unter der Corona-Flaute

Schon im vierten Quartal 2019 zeichnete sich ein überraschend schwaches Wachstum beim Verkauf von industrietauglichen 3D-Drucksystemen ab, die mindestens 20.000 US-Dollar kosten. Vor Corona machten die schwächelnde Autoindustrie und die allgemein abflachende Konjunktur in Europa und Asien den 3D-Druckerherstellern zu schaffen. Die sowieso schon spärlich fließenden Investitionen wurden dann im ersten Quartal 2020 noch knapper. Insbesondere bei den Aufträgen beklagen Unternehmen erhebliche Einbußen.

Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Der deutsche 3D-Druckerhersteller SLM Solutions hat seinen Umsatz um 10,5 Mio. Euro im Vergleich zum Jahr 2019 gesteigert. Die Umsatzzuwächse gab es bei SLM Solutions in den Segmenten Maschinengeschäft und After-Sales-Geschäft. Das After-Sales-Geschäft besteht aus Umsatzerlösen durch Service, Ersatzteile, Pulver, Schulungen und Installationen von Maschinen. Das Maschinengeschäft bezieht sich auf den Verkauf selektiver Lasermaschinen und Zubehörgeräte von SLM Solutions. Insgesamt konnten laut Context auch Profi-Drucker (Anschaffungskosten zwischen 2.500 und 20.000 US-Dollar) eine erstaunliche Absatzsteigerung von 26 % verbuchen. Diese Profi-Drucker werden wohl weltweit zur Herstellung von medizinischen Hilfsmitteln oder anderen knappen Gütern verwendet.

3D-Druckdienstleister zeigen in der Krise ihr Potential

In Zeiten unterbrochener Lieferketten braucht es eine flexible und leistungsstarke Fertigungslösung. Die additive Fertigung und speziell additive Fertigungsdienstleister können hier ihre Stärken ausspielen. Der amerikanische Produktionsdienstleister Protolabs meldete insgesamt ein geringes Umsatzwachstum von 1,5 %. Das 3D-Drucksegment von Protolabs verzeichnete jedoch ein offensichtliches Wachstum mit einem Umsatz von 15,9 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2020. Diese Zahl entspricht einem Anstieg von 10,14 % im Vergleich zum Umsatz im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Ich bin sehr stolz auf die engagierten Mitarbeiter von Protolabs, die unsere Kunden weiterhin unterstützen und Teile mit kritischen Anwendungen im Kampf gegen den Coronavirus herstellen", kommentiert Vicki Holt, CEO von Protolabs die jüngsten Unternehmenszahlen.

Der belgische Dienstleister Materialise weist für den Bereich Medizintechnik eine Umsatzsteigerung von 15,3 % aus, verglichen mit dem ersten Quartal 2019. Anders sieht es allerdings bei Fertigungsaufträgen aus anderen Branchen aus. Im Manufacturing-Segment gingen die Umsätze von Materialise um -13,9 % zurück (Q1 2019: 24,2 Mio. €; Q1 2020: 20,8 Mio. €). In einem Kommentar zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Umsätze von Materialise erklärt der Vorstandsvorsitzende Peter Leys: "Das Geschäftsjahr 2020 begann mit unerwarteten Herausforderungen für Unternehmen weltweit als Folge des COVID-19-Virus. Materialise hat im ersten Quartal noch relativ gut abgeschnitten, da sich die Entwicklungen erst gegen Ende des Quartals negativ auf die Umsätze auszuwirken begannen.“ In der zweiten Jahreshälfte erwartet Leys jedoch, dass sich die Auswirkungen der Pandemie auch bei Materialise stärker bemerkbar machen.

Flexibilität von AM hilft in Teilsegmenten

Wie jede Branche leiden natürlich auch 3D-Druckhersteller und -Dienstleister unter den erheblichen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, etwa durch Fertigungsausfälle und geringere Investitionen. Aber durch die Flexibilität der additiven Fertigung können die allgemeinen Ausfälle durch Zuwächse in Teilsegmenten, zum Beispiel in der Medizintechnik, noch kompensiert werden. Ob sich die positiven Signale einiger Hersteller und Dienstleister auch in den weiteren Quartalen wiederholen lassen, gilt jedoch abzuwarten. Zumindest die langsam zum Normalzustand zurückkehrende Industrie, könnte hier unterstützend wirken.

(ID:46579761)