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3D-Druck vs. Corona Tätowierer versorgt Region mit 3D-gedruckten Gesichtsschildern

| Redakteur: Anna-Lena Dosch

Ein Mann aus Freiberg am Neckar, der sein Tattoo-Studio schließen musste, druckt nun im Keller mittels seines 3D-Druckers Schutzschilde, um zeitliche und kreative Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Freiverfügbare Druckdateien machen es möglich, dass auch Maker Hilfsmittel für medizinisches Personal herstellen können.

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Durch kostenlose, freiverfügbare Druckdateien können auch Personen aus der Maker-Szene helfen medizinische Hilfsmittel zu fertigen.
Durch kostenlose, freiverfügbare Druckdateien können auch Personen aus der Maker-Szene helfen medizinische Hilfsmittel zu fertigen.
(Bild: titania-pr )

Christian Richter aus Freiberg am Neckar, der sein Tattoo-Studio schließen musste, druckt nun im Keller mittels seines 3D-Druckers Schutzschilde, um zeitliche und kreative Ressourcen sinnvoll zu nutzen. Freiverfügbare Druckdateien machen es möglich, dass auch Mitglieder aus der Maker Szene helfen können Hilfsmittel für medizinisches Personal herzustellen.

Hinter der Kellertür des 40-jährigen Christian Richter hört man das Summen, Saugen und Rumoren seiner 3D-Drucker. Eigentlich ist er Besitzer eines Tattoo-Studios in Heilbronn und im 3D-Druckbereich nur hobbymäßig unterwegs – ein sogenannter Maker. Er druckt in der Hobby-Werkstatt auf seinen beiden 3D-Druckern Ersatzteile für das Motorrad, Comicfiguren wie Iron Man oder Kostüme aus Star Wars.

Christian Richter mit einem selbstgedruckten Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker.
Christian Richter mit einem selbstgedruckten Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker.
(Bild: titania-pr )

Nachdem sich sein Alltag durch die virusbedingte Schließung seines Ladens radikal änderte, überlegte der 3D-Druck-Fan, was er jetzt tun könnte, um seine freie Zeit sinnvoll zu gestalten. Die Engpässe beziehungsweise das Ausbleiben von Hilfsmitteln für Personal im Gesundheitsbereich sind öffentlich bekannt und auch Christian Richter hat Freunde im Gesundheitswesen, durch die er dieses Problem schnell als solches zugetragen bekam: „Ich wollte einfach helfen – in so hilflosen Zeiten.“

Er entschied sich dafür, mit kostenlos verfügbaren Dateien einen Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker herzustellen. Egal ob in schwarz oder grau, gold oder blau: Gedruckt wird im so genannten Filament-Verfahren (FDM) von Spulen. Grundvoraussetzung ist ein druckfähiges, digitales 3D-Modell. Dieses wird von einem Computerprogramm in eine Vielzahl von Schichten zerlegt. Genau diese werden nach und nach mit geschmolzenem Kunststoff von einem Extruder auf eine Werkplattform aufgetragen. Sobald das Material abkühlt, härtet es schnell aus. Der thermoplastische Kunststoff ist den meisten Menschen in Form der PET-Flaschen bekannt. Doch gerade in 3D-Druckverfahren wird Polyethylenterephthalat gerne und oft als Material eingesetzt.

16 Masken in 24 Stunden

Innerhalb eines Tages kann Christian Richter 16 Masken produzieren und verbraucht dabei ein Kilogramm PETG. Der 3D-Drucker liefert ihm dafür die Kopfringe, welche nach dem Druck noch ein Gummiband erhalten. Parallel dazu müssen die Schutzschilder noch per Hand zugeschnitten werden. „Da ist viel Handarbeit dabei, es braucht eine ganze Reihe an manuellen Fertigungsschritten.“, erzählt er. Die Maske wird nach der Fertigstellung noch in einem Desinfektionsbad gereinigt und zuletzt in Einweg-Zip-Beuteln verpackt.

Die Nachfrage nach seinen Hilfsmitteln in der Region steigt. Christian Richter ist klar, dass er die Kosten für die Produktion allein nicht mehr übernehmen kann. Jedoch gibt es im Freundes- und Bekanntenkreis viele, die ihn mit Geldspenden unterstützen, damit die medizinischen Einrichtungen den Gesichtsschutz weiterhin kostenfrei erhalten können. Christian Richter sagt, dass „jede kleine Spende dabei hilft, noch schneller und noch mehr Gesichtsschilder zu produzieren.“ Das ist sein Ansporn für die nächsten Wochen, um die Sicherheit des medizinischen Personals an vorderster Front weiterhin so gut es geht zu schützen.

Maker Szene in Deutschland

Die Maker-Szene in Deutschland vertritt diverse Berufsgruppen. Sie beinhaltet 3D-Druck-Fans wie beispielsweise Christian Richter aber auch Ingenieure großer Industrieunternehmen und viele mehr.

Gerade während dieser Pandemie gibt es die Gelegenheit, Maker mit Personen aus der 3D-Druckbranche zusammenzubringen, damit Ideen und Herausforderungen für die Zukunft bedacht und behandelt werden können um mögliche Engpässe und finanzielle Schäden so gering wie möglich zu halten. Als „dritte Industrielle Revolution“ wird die Bewegung in der Maker Szene von manchen Experten bezeichnet, welche einen großen Einfluss auf die Wirtschaft und Gesellschaft haben kann

Ein Übersicht additiver Hilfsangebote zur Bewältigung der Corona-Pandemie finden sie hier.

3D-Druck vs. Corona

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(Bildquelle: VCG)

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