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3D-Metalldruck Verliert GE das Vertrauen in die additive Fertigung?

| Redakteur: Stefan Guggenberger

In den kürzlich veröffentlichten Geschäftszahlen zum zweiten Quartal 2020 finden sich bei General Electric erhebliche Goodwill-Abschreibungen mit Bezug zur additiven Fertigung.

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Aktuell hat GE Additive Absatzschwierigkeiten, weil unter anderem das LEAP-Triebwerk weniger nachgefragt wird. In diesem Flugzeugtriebwerk werden beispielsweise die Einspritzdüsen additiv hergestellt.
Aktuell hat GE Additive Absatzschwierigkeiten, weil unter anderem das LEAP-Triebwerk weniger nachgefragt wird. In diesem Flugzeugtriebwerk werden beispielsweise die Einspritzdüsen additiv hergestellt.
(Bild: GE Additive)

Das Unternehmen hat Maßnahmen ergriffen, um die negativen Auswirkungen von COVID-19 zu überwinden, und eine Reihe "bedeutender Posten" identifiziert, die seine Finanzergebnisse beeinflusst haben sollen. Dazu gehören Goodwill-Wertminderungskosten vor Steuern in Höhe von 877 Millionen US-Dollar, die im Zusammengang mit den Aktivitäten in der additiven Fertigung stehen. Dabei bezieht sich der Geschäftsbericht auf GE Aviation (Flugzeugteile) und GECAS (Flugzeugleasing).

Arcam und Concept-Laser sind nicht so rentabel wie gedacht

Im Jahr 2016 erwarb GE die beiden 3D-Metalldruckerhersteller Arcam und Concept Laser für insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar. Damals gingen die Amerikaner davon aus, dass bis zum Jahr 2020 etwa 1 Milliarden US-Dollar Umsatz mit dem 3D- Metalldruck erreicht und gleichzeitig Gewinn erwirtschaftet wird. Bis 2026 wollte man mit der additiven Fertigung insgesamt 3 bis 5 Milliarden US-Dollar umsetzen. Um das zu erreichen, hat GE in Arcam und Concept Laser investiert. So hat man erst 2019 den 40.000 qm großen AM-Campus in Lichtenfels eröffnet, wo Concept Laser einziehen soll. Auch im schwedischen Göteborg wurden etwa 18 Millionen Euro in einen neuen Standort für Arcam investiert.

Was ist Goodwill?

Engl. für Geschäfts- oder Firmenwert. Dieser immaterielle Wert entsteht durch Unternehmenskäufe. Übernimmt ein Unternehmen einen Konkurrenten, muss das Management das Vermögen seiner neuen Tochter neu einschätzen. Lizenzen, der Fuhrpark, Immobilien - jede Position wird bewertet. Fällt der gezahlte Kaufpreis für das Unternehmen höher aus als das neu bewertete Vermögen, wird diese Übernahmeprämie als Goodwill in die Bilanz gebucht.

Quelle: boerse.ard

Nun scheint GE an der Rentabilität seiner Investitionen in die additive Fertigung zu zweifeln. Eine Abschreibung auf den Goodwill bedeutet in der Regel, dass der Firmenwert gesunken ist. GE geht also davon aus, dass die Unternehmenszukäufe im Bereich 3D-Metalldruck zu hoch dotiert waren und nicht die erwarteten Gewinne abwerfen werden. In diesem Fall dürfte der Auslöser für die Wertminderung aber die globale Corona-Pandemie sein.

Luftfahrtindustrie ist von Corona-Krise schwer getroffen

Die Covid-19-Pandemie hat zu einem Einbruch in der Weltwirtschaft geführt. Besonders betroffen ist jedoch die Luftfahrtindustrie. Der sowieso schon angeschlagene Flugzeugbauer Boeing gerät durch weniger Aufträge im Zuge der Krise noch weiter unter Druck. Auch Fluggesellschaften wie die deutsche Lufthansa sind auf Milliarden vom Staat angewiesen. Hier liegt auch das Problem von GE Additive: Bisher war die Luft- und Raumfahrtindustrie einer der wichtigsten Zielmärkte für den 3D-Metalldruck von GE. Für 2020 hat GE Aviation berichtet, dass die Aufträge insgesamt um etwa 3,7 Milliarden US-Dollar (56 Prozent) zurückgegangen sind. Aufträge für das bekannte Leap-Triebwerk, welches viele 3D-gedruckte Metallteile enthält, gingen um etwa 44 Prozent zurück. Experten gehen davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis die Luftfahrtindustrie wieder zu dem Niveau vor der Corona-Krise zurückkehren wird. Im Zuge der zunehmenden Kritik an privaten Flugreisen könnte die Branche auch auf einen langfristigen Rückgang zusteuern.

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten möchte GE aber weiter in die additive Fertigung investieren. Gegenüber dem TCT Magazin äußerte ein Sprecher von GE, dass sich die Verlangsamungen im Bereich 3D-Metalldruck bereits 2019 spürbar machten. Weiter meinte er, dass sich die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie vor allem in den Geschäftsbereichen äußern, in denen GE additive Fertigung einsetzt. Dennoch sei man der Meinung, dass die additive Fertigung in Zukunft an Relevanz gewinnen wird und daher wird GE weiter in den 3D-Druck investieren.

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