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Remote Work in der Produktion Wie 3D-Druck es in Zeiten von Covid-19 ermöglicht produktiv zu bleiben

| Autor / Redakteur: Stefan Holländer / Stefan Guggenberger

Durch den Einsatz neuer 3D-Druck-Technologien können Unternehmen auch in Zeiten globaler Krisen ihre Produktion ortsunabhängig steuern und überwachen.

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Dank neuer 3D-Technologien kann der Prototypenbau auch ins Home-Office verlagert werden.
Dank neuer 3D-Technologien kann der Prototypenbau auch ins Home-Office verlagert werden.
(Bild: Formlabs)

Gerade in Zeiten von Covid-19 sind Lösungen wie Home-Office und mobiles arbeiten zunehmend von Bedeutung. Anders als bei vielen Bürotätigkeiten, für die lediglich ein Computer und eine gute Internetverbindung benötigt werden, sind solche Lösungen in Branchen wie der Produktion, der Fertigung und dem Maschinenbau, in denen physische Geräte und Maschinen unverzichtbar sind, konventionell kaum umsetzbar. Innovative 3D-Druck-Technologien und digitale Workflows zeigen neue Möglichkeiten auf.

Konventionelle Werkzeuge und Maschinen für die Prototypenerstellung und Fertigung müssen vor Ort bedient und regelmäßig kontrolliert werden. Kann dies nicht länger gewährleistet werden kommt es zu Verzögerungen in der Produktion, die in der Regel zu einer geringeren Produktivität und hohen Kosten führen. Maschinelle Fertigungsprozesse und ein flexibles Arbeiten schließen sich heutzutage jedoch nicht mehr grundsätzlich aus. Neue 3D-Druck-Technologien und digitale Workflows ermöglichen es Herstellern ihre Produktion ortsunabhängig zu steuern sowie zu überwachen und so die Produktivität ihrer Produktionsreihen beizubehalten.

Druckaufträge online steuern und verwalten

Druckaufträge und Warteschlangen können von überall aus geplant und angepasst werden.
Druckaufträge und Warteschlangen können von überall aus geplant und angepasst werden.
(Bild: Formlabs)

Spezifische Softwareprogramme zur Druckvorbereitung ermöglichen es Mitarbeitern zuvor in CAD designte Modelle und Teile innerhalb von Minuten an die Druckanforderungen anzupassen, an den 3D-Drucker zu senden und zu drucken, ohne dass der Drucker dazu händisch bedient werden muss. Die Druckaufträge können dabei von überall aus geplant und angepasst werden. So kann die Warteschlange des 3D-Druckers bei einer hohen Anzahl von Druckaufträgen beispielsweise so optimiert werden, dass kurze Druckvorgänge tagsüber ausgeführt werden oder Drucke aus dem gleichen Material hintereinander erfolgen. Berechtigungen zur Verwaltung können ebenfalls remote erfolgen und erlauben das Arbeiten im Team von verschiedenen Standorten aus. Die Produktion ist dabei vollkommen skalierbar und kann durch die Ergänzung weiterer Drucker individuell an den jeweils erforderlichen Maßstab angepasst werden.

Mitarbeiter können die Druckaufträge online verfolgen und sich gegenseitig über den aktuellen Stand auf dem Laufenden halten. SMS- und E-Mail-Benachrichtigungen informieren über den abgeschlossenen Druckvorgang.

In den meisten Fällen bedarf es noch einer Person, die den 3D-Drucker oder die 3D-Druckerflotte manuell vor Ort aus dem lokalen Netzwerk heraus bedient. Die gedruckten Teile müssen aus den Geräten herausgeholt und nachbearbeitet werden. Außerdem müssen die Tanks beim Druck mit verschiedenen Kunstharzen getauscht werden. Während andere Produktionsverfahren jedoch ein ganzes Team erfordern, können die übrigen Kollegen die Produktion in diesem Fall von zu Hause aus steuern sowie überwachen und den Kontakt untereinander vermeiden, um die Gefahr einer möglichen gegenseitigen Ansteckung zu verringern. Ausgewählte neue 3D-Desktopdrucker-Modelle wie etwa von Formlabs verfügen darüber hinaus auch heute schon über eine Ferndruckfunktion, die es erlaubt nicht nur innerhalb des lokalen Netzwerks, sondern von überall aus zu drucken.

Die Produktion in die eigenen vier Wände verlagern

Moderne Desktopdrucker produzieren in industrieller Qualität, sind aber klein genug für den heimischen Schreibtisch.
Moderne Desktopdrucker produzieren in industrieller Qualität, sind aber klein genug für den heimischen Schreibtisch.
(Bild: Formlabs)

Eine andere Option ist es die 3D-Drucker mit in die eigenen vier Wände zu nehmen. Konventionelle Werkzeuge und Maschinen für die Prototypenerstellung und Fertigung und komplexe Industrie-3D-Drucker sind in der Regel nur schwer bis gar nicht transportierbar. Desktop-3D-Drucker sind hingegen sehr kompakt. Ihre Standfläche ist meist nicht größer als ein DIN A3 Blatt. Sie können somit sehr leicht auf- und abgebaut und ohne großen Aufwand von einem zum anderen Ort bewegt werden. Da sie zudem keine besonderen Umgebungsanforderungen unterliegen ist es problemlos möglich die Geräte mit ins eigene Home Office zu nehmen und die Produktion sprichwörtlich in den eigenen vier Wänden fortzuführen. Dies bietet den Vorteil, dass niemand mehr in der Produktionshalle vor Ort sein muss. Insbesondere in Situationen, in denen die Mehrheit des Teams von zu Hause aus arbeiten muss, bietet dies eine gute Möglichkeit, um produktiv zu bleiben.

3D-Drucker des gleichen Modells können problemlos auch über Standorte hinweg miteinander vernetzt werden. So können Mitarbeiter durch die Verwendung der gleichen 3D-Drucker und Materialien von ihrem jeweiligen Arbeits- oder Wohnzimmer aus Teile nahtlos auf verschiedenen Maschinen iterieren und produzieren.

Kontrolle, Unabhängigkeit und Flexibilität gewinnen

Hinzu kommen generelle Vorteile wie die Möglichkeit Prototypen und auch Endprodukte von höchster Qualität nach Bedarf innerhalb weniger Stunden oder sogar Minuten vor Ort mit Desktop-3D-Druckern produzieren zu können. Tests und Anpassungen können jederzeit und individuell vorgenommen werden. Abhängigkeiten von externen Dienstleistern und Lieferanten sowie langwierige Iterationsprozesse und Lieferzeiten entfallen.

Insbesondere in Zeiten, in denen vermehrt mit Lieferverzögerungen und -Engpässen zu rechnen ist oder externe Zulieferer komplett schließen, bietet eine solche Unabhängigkeit zusätzliche Flexibilität. Die Einbindung von innerbetrieblichem 3D-Druck in die Produktion sowie die damit einhergehende Kontrolle über den gesamten Produktionsablauf bieten Unternehmen somit auch eine gute Möglichkeit Resilienz in unsicheren Zeiten aufzubauen. Der Einsatz von SLA 3D-Drucker erlaubt es zudem Anwendungen wie Prototypen, Fertigungswerkzeuge oder Ersatzteile in vielen Fällen 80 bis 90 % schneller zu produzieren, als dies über externe Dienstleister der Fall wäre. Und das auch in Zeiten ohne weit verbreitete Lieferkettenprobleme und geschlossene Werke.

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