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COVID-19 Wieso die AM-Branche vom Coronavirus profitieren wird

| Autor / Redakteur: Joscha Riemann / Stefan Guggenberger

Mehr als 100.000 Infizierte weltweit, unterbrochene Lieferketten und geschlossene Fabriken - der Coronavirus sorgt für erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen. Doch für den 3D-Druck bietet er ungeahnte Chancen.

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In der Corona-Krise zeigt die Additive Fertigung, wie sie Wertschöpfungsketten sicherer und flexibler gestalten kann.
In der Corona-Krise zeigt die Additive Fertigung, wie sie Wertschöpfungsketten sicherer und flexibler gestalten kann.
(Bild: gemeinfrei // unsplash)

Die Hiobsbotschaften und Weltuntergangsprognosen zum Thema Coronavirus gaben sich in der letzten Woche die Klinke in die Hand. „Diese Krise wird zum Desaster werden“ (Starökonom Nouriel Roubini, Quelle: Spiegel), „Ein Lehman-Brothers-Moment“ (Gabriel Felbermay, ifw-Kiel, Quelle: Dlf), „Der schnellste Börseneinbruch seit fast 100 Jahren “ (Victor Gojdka, Quelle: SZ), Ökonomen und Medien überschlagen sich mit Superlativen.

So schlimm, wie es manche Journalisten und Ökonomen gerne sehen würden, wird es wohl nicht werden, doch die Wirtschaft ist schon jetzt infiziert. Nicht nur internationale Lieferketten sind vorerst gesprengt, auch in Europa ruhen schon erste Fabriken durch Quarantänemaßnahmen. Die Verwundbarkeit der international verflochtenen Lieferketten wird besonders anhand der Abhängigkeit von China immer ersichtlicher.

Die deutsche Wirtschaft ist eng mit der chinesischen verflochten:

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Die Verringerung der Abhängigkeit von bestimmten Lieferanten, kostengünstige Back-Up-Strukturen und verkürzte Wertschöpfungsketten wären mögliche Maßnahmen, um Lieferketten in Zukunft robuster aufzustellen. Die Additive Fertigung bietet dabei mehrere Möglichkeiten, um Lieferketten auch in Zeiten von Corona und anderer Krisen sicherer gestalten zu können.

Wie AM Wertschöpfungsketten robuster macht

1. Printing on Demand und Digitale Warehousing

Additive Verfahren bieten die Möglichkeit, ein beliebiges Produkt schnell direkt und nach Bedarf, also on-demand und Just-in-Time, herzustellen. Bei kleinen Losgrößen erlaubt die additive Fertigung so eine schnelle Produktion. Mit traditionellen Verfahren ist das nur unter hohem Material- und Zeitaufwand zu schaffen. Besonders im Ersatzteilbereich mit kleinen, individualisierten Produktionslosgrößen sorgt die Additive Fertigung für wegfallende Werkzeugkosten und verringerte Lagerhaltungskosten.

In Kombination eignet sich der On-Demand-Druck auch ideal für die digitale Lagerhaltung von Ersatzteilen und Kleinserien. So können Unternehmen proaktiv das Risiko von Lieferengpässen, beispielsweise während Naturkatastrophen oder Epidemien, reduzieren und die Abhängigkeit von bestimmten Zulieferern verringern. Bei Lieferengpässen können auch Produkte On-Demand in (Klein-)Serie gedruckt werden, die zu normalen Zeiten mit „klassischen“ Verfahren günstiger gefertigt werden.

2. Dezentrale Produktion

Eine dezentrale additive Produktion birgt in Krisenzeiten zwei große Vorteile, um die Lieferkette aufrecht zu erhalten – eine verkürzte Supply Chain und die Möglichkeit, quasi jeden beliebigen Gegenstand dort drucken zu können, wo er benötigt wird. Hier zeichnet sich schon jetzt ab, dass Firmen zunehmend das Ziel verfolgen, wieder verstärkt absatzmarktnah zu fertigen.

Dieser Trend zum „Nearshoring“ wird durch den 3D-Druck schon jetzt umsetzbar: Die Additive Fertigung erlaubt ein Höchstmaß an Flexibilität – bezogen auf Produktionslosgrößen, Produktionszeiten sowie Produktionsorte. Bauteile müssen nicht mehr zentral gefertigt und dann global verteilt werden („local to global“) – eine Supply-Chain über mehrere Kontinente ist nicht mehr notwendig. Vielmehr werden dezentrale Fertigungszentren errichtet, die digitalen Bauteildaten an diese verschickt und das Produkt direkt vor Ort 3D-gedruckt („globally local”).

Zwar hat die Industrie noch einen langen Weg vor sich, um die Produktion näher zum Zielmarkt zu verlagern und so die Supply Chain zu verkürzen. Aber durch die große Material- und Verfahrensvielfalt kann schon heute (fast) jedes Produkt gedruckt werden. So können auch in Zeiten von Corona dezentrale Fertigungszentren Engpässe in den verschiedensten Branchen auflösen.

3. Hamstern mit 3D-Druck

Zuletzt bringt der 3D-Druck einen (nicht ganz ernst gemeinten) Vorteil mit sich. In Zeiten von Panik und Hamsterkäufen bietet Food-Printing eine komfortable Quarantänezeit.

Wir alle erinnern uns an den Replicator, den Lebensmittelerzeuger aus Star Trek, welcher replizierte Moleküle in essbare Lebensmittel und ganze Gerichte verwandeln kann. Auch der 3D-Lebensmitteldruck ist schon heute in der Lage, Gerichte aus verschiedenen Pasten und Materialien herzustellen. Sogar das „leckere“ Recycling von Lebensmitteln ist heute schon möglich.

Auch wenn der Coronavirus für viele schlechte Nachrichten sorgt, sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken und das Beste daraus machen … Wir sehen uns beim Additive Manufacturing Forum in Berlin.

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