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Marktforschung AM Wo stehst du, additive Fertigung?

| Redakteur: Joscha Riemann

Wir haben den Realitätscheck gemacht und 560 Anwender aus unterschiedlichen Branchen gefragt. Die Auswertung hat unsere Thesen bestätigt, uns aber auch überrascht. Alle Ergebnisse haben wir in einem Whitepaper für Sie zusammengefasst.

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Wo steht die additive Fertigung in Deutschland wirklich? Wir haben den Realitätscheck gemacht.
Wo steht die additive Fertigung in Deutschland wirklich? Wir haben den Realitätscheck gemacht.
(Bild: VCG)

Hype auf der einen, kritische Stimmen auf der anderen Seite. Viele schöne Use-Cases, aber hinter welchen verbirgt sich schon ein echtes Geschäftsmodell? Das war der Ausgangspunkt unserer Marktforschung. Zwei Leitfragen dienten dabei als Grundgerüst:

  • Wo steht additive Fertigung heutzutage wirklich?
  • Was vermag additive Fertigung zu leisten und wo kann sie schon jetzt wertstiftend eingesetzt werden?

Aus diesen Kernfragen und aktuellen Marktentwicklungen haben wir 10 Thesen entwickelt, die Großteils untermauert wurden, einige wurden von den Befragten aber auch nicht bestätigt.

Marktforschung

Zum Stand des industriellen 3D-Drucks


Wir haben den Realitätscheck gemacht und 560 Anwender aus unterschiedlichen Branchen gefragt. Die Auswertung der Ergebnisse hat unsere Thesen bestätigt, uns aber auch überrascht. Alle Ergebnisse haben wir in einem Whitepaper für Sie zusammengefasst.

Zu den Studienteilnehmern:

560 Befragte aus verschiedenen Branchen wie der Automobil- und Zuliefererindustrie, dem Maschinenbau, der Automatisierungs- und der Medizintechnik nahmen an der Marktforschung teil. Von der Geschäftsführung über Teilnehmer aus der Entwicklung und der Produktion bis zum Verkauf – an der Studie nahm das komplette Buying-Center für additive Fertigung teil.

Dazu sind die vorliegenden Ergebnisse von hoher Bedeutung - knapp 80 % der Befragten sind an mindestens einer Entscheidung zu Anschaffungen oder zur Beauftragung eines Dienstleisters beteiligt.

3D-Druck wächst aus seinen Kinderschuhen heraus

74 % der befragten Unternehmen setzen bereits additive Fertigungsprojekte um, weitere 13 % planen zeitnah eine Realisierung. Industrieller 3D-Druck ist branchenübergreifend ein hochrelevantes Thema und mit der zunehmenden Zahl an Anwendungsmöglichkeiten steigen auch immer weitere Unternehmen ein.

Eine unserer zentralen Fragen bezieht sich auf den Einsatzzweck additiver Fertigung. Vornehmlich werden Prototypen und besonders im Metalldruck neue Bauteile und Produkte hergestellt. Aus Sicht der Anwender spricht vor allem die Effizienzsteigerung (55 %) in Prozessen für die additive Fertigung und das noch vor dem Ausprobieren von Neuem. Schon heute nutzen 51 % der Befragten AM für die Herstellung neuer Bauteile. Am geläufigsten ist der Einsatz additiver Fertigungstechniken in der Medizintechnik. Ein typisches Problemfeld 3D-gedruckter Produkte bleibt aber das Post-Processing. Passend dazu schätzen sich auch nur 35 % als sehr erfahren im Umgang mit Nachbearbeitung ein.

Metalldruck ist die nächste Evolutionsstufe der additiven Fertigung

Nachdem der Polymerdruck bei einigen Unternehmen schon seit Jahrzehnten als Standardanwendung, beispielsweise im Prototypenbau, gängig ist, drängt nun der Metalldruck auf den Markt und bringt neue Anwendungsbereiche mit sich. In unserer Studie geben 69 % an, den Metalldruck für die Herstellung neuer Bauteile zu nutzen. Vor allem die Möglichkeit innovative Bauteile mit neuen Produkteigenschaften herzustellen reizt viele Anwender am Metalldruck. Allerdings kann der Einstieg in den Metalldruck auch mit hohen Investitionskosten verbunden sein, für Anlagen und den Aufbau von Know-how. Daher sind Anwender, im Vergleich zum Polymerdruck, auch eher geneigt den Metalldruck auszulagern.

Bereits 42 % setzen den Metalldruck zur Herstellung von Werkzeugen ein, eine Disziplin, die lange den herkömmlichen Fertigungsverfahren vorbehalten war. Mittlerweile kann jedoch Werkzeugstahl von Druckern verarbeitetet werden.

Wird in Zukunft alles 3D-gedruckt?

Da die Industrialisierung sowie die Serientauglichkeit additiver Verfahren und Maschinen von den Herstellern immer weiter vorangetrieben wird, hat es uns überrascht, dass die Herstellung neuer Produkte nicht das primäre Ziel vieler Unternehmen ist. Besonders im Polymerbereich wird die Herstellung von Prototypen auch in Zukunft eine dominierende Rolle einnehmen. Zumindest in den nächsten fünf Jahren planen unsere Umfrageteilnehmer noch die Herstellung von Prototypen (42 %) als wichtigsten Anwendungsbereich der additiven Fertigung. Vor allem im Metalldruck (33 %) wird die Herstellung neuer Produkte für die Anwender aber immer wichtiger.

Komplexität benötigt interdisziplinäre Ansätze

Die Ergebnisse der Marktforschung „Stand der additiven Fertigung“ geben eine gute Übersicht über den aktuellen Reifegrad der Technologie in der Praxis. Unsere Leitfragen können durch die validierten Thesen zum Teil schon beantwortet werden, eine finale, pauschale Antwort ist jedoch nicht möglich, da sie oft sehr vom Einzelfall abhängt. Je nach Anwendungszweck sind die Vorteile der additiven Fertigung und damit auch die Motivationen der Anwender sehr verschieden. Im Prototypenbau steht beispielsweise die schnellere Time-to-Market (76 %) im Vordergrund. Für die additive Herstellung neuer Produkte und Bauteile sind jedoch innovative Produkteigenschaften (84 %) der wichtigste Mehrwert. Wie sie in der Marktforschung nachlesen können, unterscheiden sich die Intentionen zwischen den Branchen zum Teil deutlich.

Wo steht additive Fertigung heutzutage also wirklich? In unserer Marktforschung wird klar, dass AM aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist, aber noch lange nicht erwachsen ist. Zum einen wollen viele Anwender ausprobieren wo und wie sie die neue Technologie einsetzen können, zum anderen werden die Anwendungsgebiete erfahrener Nutzer immer komplexer und bieten riesige Potenziale. Um diese Potenziale zu erkennen muss man nicht auf extravagante AM-Projekte, wie den Bau von Raketen oder das Drucken von Organen, zurückgreifen. Schon vor Monaten berichteten wir über ein Greifwerkzeug und wie dieses mittels additiver Technologie nur noch 4 % der Masse eines herkömmlich hergestellten Greifers hat, aber dennoch besser Produkteigenschaften. Was wäre wenn wir alle Metallbauteile additiv herstellen würden? Genau kann diese Frage wohl niemand beantworten, dass enorme Potenzial ist aber unverkennbar. Um dieses zu heben, benötigt es jedoch interdisziplinärer, ganzheitlicher Ansätze und einer umfassenden Übersicht über Verfahren und Technologien. Inwieweit die Orientierung auf dem 3D-Druck-Markt eine Herausforderungen darstellt, konnten wir nur in Ansätzen testen und werden diese Frage daher als Teil einer zukünftigen Marktforschung angehen.

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