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3 Fragen an... Wurde mit der additiven Fertigung bisher nur „rumgespielt“?

| Redakteur: Stefan Guggenberger

Wir haben das AM-Forum in Berlin dazu genutzt, um mit Branchenexperten über die Zukunft und die Herausforderungen des 3D-Drucks zu sprechen.

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Gerade ist das 4. AM-Forum vorbei und schon ist das 5. AM-Forum in Berlin vom 11. bis 12. März 2021 angekündigt.
Gerade ist das 4. AM-Forum vorbei und schon ist das 5. AM-Forum in Berlin vom 11. bis 12. März 2021 angekündigt.
(Bild: ROBERT BERGEMANN // IPM AG)

Das diesjährige AM-Forum in Berlin bot der additiven Branche eine Bühne für Austausch und Vernetzung. Vom 11. bis 12. März haben sich mehr als 120 führende Software-, Material-, Technologie- sowie Serviceprovider dem Fachpublikum präsentiert. Zum Programm gehörten Vorträge, unter anderem haben Stefanie Brickwede, Geschäftsführerin Mobility goes Additive, und Stefan Ritt, Geschäftsführer EMEA Operations/Spee3D, die Keynotes gehalten. Außerdem fand bereits zum dritten Mal der European Summit for Women in AM im Vorfeld des Forums statt. Im Rahmen der Veranstaltung haben wir mit Brancheninsidern über die nahe und mittelfristige Zukunft der AM-Branche gesprochen. Zusätzlich wollten wir wissen, wo es in der additiven Fertigung noch Probleme gibt. Alle Antworten unserer Brancheninsider finden Sie weiter unten im Artikel.

Mangelt es der Industrie an Innovationskraft für den 3D-Druck?

Für Carl Fruth, Gründer und CEO FIT Additive Manufacturing Group, steht fest, dass die „mangelnde Innovationsfähigkeit der Industrie“ den 3D-Druck zurückhält. Dr. Claus Emmelmann, Institutleiter Fraunhofer IAPT, formuliert hier weniger drastisch, aber auch er sagt, dass „viele spannende Anwendungen aufgrund der hohen Qualitätssicherungskosten nicht umgesetzt werden.“ Auch wir nehmen in Gesprächen immer wieder die zögerliche Investitionsbereitschaft bei AM-Anwendern war, vor allem wenn es funktionierende (herkömmliche) Prozesse gibt. Eine Lösung dieser Problematik könnte die Entwicklung „wettbewerbsfähige[r] Fit-for-Purpose-Lösungen im B2B-Bereich“ sein, wie Volker Hammes, Managing Director BASF New Business GmbH, erklärt. Allgemein kann mit der zunehmenden Industrialisierung des 3D-Drucks eine echte und wirtschaftlich sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Verfahren geschaffen werden. Nach Ansicht der von uns befragten Experten, müssen Industrieunternehmen zunächst aber Zeit und Geld in die additive Fertigung investieren, um langfristig besser Lösungen zu entwickeln.

3 Fragen an unsere Brancheninsider:

Carl Fruth, Gründer und CEO FIT Additive Manufacturing Group

Welches Projekt im Bereich der Additiven Fertigung ist für Ihr Unternehmen im Jahr 2020 am wichtigsten beziehungsweise spannendsten?
Die FIT AG wird mit einer neuen Technologie in den Bereich Architektur und Bauwesen eintreten. Das ist ein sehr spannendes Thema mit einer komplett anderer Kundenklientel!

In welcher Entwicklung sehen Sie die größten Chancen für AM?
Die größte Chance für die Additive Fertigung ergibt sich durch die rückläufige wirtschaftliche Entwicklung. Solange es bei den Unternehmen brummt, wird ja mit additiver Fertigung nur „rumgespielt“. Nur mit echtem wirtschaftlichem Druck wird versucht, tatsächlich neue Wege einzuschlagen, und wird auf echte Innovation gesetzt.

An welcher Stelle zwickt es in der additiven Fertigung heute am meisten?
Mangelnde Innovationsfähigkeit der Industrie.

Prof. Dr.-Ing. Claus Emmelmann Fraunhofer-Einrichtung für Additive Produktionstechnologie

Welches Projekt im Bereich der Additiven Fertigung ist für Ihr Unternehmen im Jahr 2020 am wichtigsten beziehungsweise spannendsten?
Für mich ist das derzeit spannendste Projekt unsere Additive Mobile Factory. In dieser containerbasierten und modularen Fertigungseinheit lassen sich Ersatz- und andere Fertigbauteile flexibel, dezentral, schnell und unabhängig von langen Lieferketten herstellen. Genau dort, wo sie von unseren Kunden gerade gebraucht werden und Ausfallzeiten durch defekte Bauteile extrem kostspielig sind.

In welcher Entwicklung sehen Sie die größten Chancen für AM?
Ich denke, dass das große Potential der additiven Fertigung erst über die Nutzung der Designfreiheit zur Geltung kommt. Und dieses Potential wird heutzutage nur in wenigen Fällen wirklich ausgeschöpft. Erst durch das Denken in Funktionen und das Loslösen von konventionellen Fertigungsrestriktionen werden bionische AM-Designs möglich.

An welcher Stelle zwickt es in der additiven Fertigung heute am meisten?
Industriell gesehen stellt die fehlende Verknüpfung von einzelnen Systemen und Softwarelösungen entlang der AM-Prozesskette sicherlich einen der wesentlichen Bottle-Necks da. Diese Tatsache erschwert ein redundanzfreies und flexibles Arbeiten im industriellen Maßstab. Aber wir sehen ganz klar, dass die großen CAD-Softwarehersteller dieses Problem erkannt haben und bereits gute Lösungen bereithalten.

Volker Hammes, Managing Director BASF New Business GmbH

Welches Projekt im Bereich der Additiven Fertigung ist für Ihr Unternehmen im Jahr 2020 am wichtigsten beziehungsweise spannendsten?
Die Einführung von neuen, wettbewerbsfähigen Materialien gemeinsam mit unseren Partnern und Maschinenherstellern, die durch geringere Stückkosten neue Applikationen und weitere Industrialisierung möglich machen. Diese Systemlösungen werden auch über unsere eigene Plattform und Partner, wie zum Beispiel Materialise, erhältlich sein.

In welcher Entwicklung sehen Sie die größten Chancen für AM?
Alle Akteure der Wertschöpfungskette (Druckerhersteller, Anbieter von Post Processing und Materialhersteller) werden Produkte entwickeln, die dazu beitragen werden, die Stückkosten zu senken - und damit die Industrialisierung beschleunigen.

An welcher Stelle zwickt es in der additiven Fertigung heute am meisten?
Eine der größten Herausforderungen ist das Anbieten von wettbewerbsfähigen Fit-for-Purpose Lösungen im B2B-Bereich sowie die noch begrenzte Materialvielfalt.

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