AM im Kurs Desktop Metal und 3D Systems können an der Börse überzeugen

Redakteur: Stefan Guggenberger

Am 10. Dezember 2020 wagte Desktop Metal den Schritt an die New Yorker Börse. Einen Monat später lässt sich festhalten, dass die Erwartungen nicht überzogen waren. Auch der 3D-Druck-Dino 3D Systems weist aktuell starke Kursgewinne auf. AM und die Börse – eine Erfolgsgeschichte?

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Aktuell stehen die 3D-Druckerhersteller Desktop Metal und 3D-Systems bei den Anlegern hoch im Kurs.
Aktuell stehen die 3D-Druckerhersteller Desktop Metal und 3D-Systems bei den Anlegern hoch im Kurs.
(Bild: gemeinfrei // unsplash)

Der letzte große Hype um die additive Fertigung liegt etwa sechs Jahre zurück. Im Jahr 2014 war 3D-Druck in aller Munde und wurde nicht selten als die nächste industrielle Revolution bezeichnet. Heute wissen wir, dass die additive Fertigung gekommen ist, um zu bleiben. Eine disruptive Veränderung hin zum 3D-Druck blieb in der Industrie jedoch weitgehend aus. Aber zurück in das Jahr 2014, als sich einige 3D-Druckunternehmen an die Börse wagten. Anfangs stiegen die Kurse schnell, die Prognosen waren positiv und Anleger rissen sich um die Papiere. Innerhalb von etwa 17 Monaten sanken die Kurse von Stratasys, 3D Systems, ExOne und Voxeljet jedoch zwischen 71 und 80 Prozent.

Der Additive-Goldrausch an den Aktienmärkten war vorbei, aber die Unternehmen und ihre Technologien blieben bestehen und haben sich mittlerweile etabliert. 3D Systems beispielsweise meldete vor wenigen Tagen, dass die Umsätze für das vierte Quartal 2020 unerwartet hoch ausfallen und prompt stiegt der Aktienkurs um etwa 100 Prozent. Desktop Metal hingegen startete erst im Dezember letzten Jahres an der New Yorker Börse und kann bisher durchaus überzeugen. Stabile Aktienkurse und gute Quartalszahlen trotz der Corona-Krise lassen vermuten, dass die additive Fertigung wirklich angekommen ist.

Börsengang und Fusion bei Desktop Metal

Bevor Desktop Metal an der Börse gehandelt wurde, fusionierte der 3D-Druckhersteller aus Massachusetts mit dem Investor Trine Acquisition Corp. Teil des Zusammenschlusses ist es, dass insgesamt 580 Millionen US-Dollar zusätzliche Finanzierung von Trine an Desktop Metal fließen. Damit möchte das Unternehme ihre bestehenden Fertigungssysteme verbessern und neue Technologien entwickeln. Angesichts der finanzstarken Konkurrenten HP und GE Additive, scheint diese Summe auch angemessen.

Das ist Desktop Metal:

Desktop Metal bietet ihren Kunden aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrt- sowie der Konsumgüterindustrie eine Palette von Binder Jetting-Technologien an. Zu den wichtigsten Maschinen des Unternehmens gehören die Desktop Fiber HT- und LT-Systeme sowie der erste 3D-Drucker für das Binder Jetting von Metall für Maschinenwerkstätten, der im vergangenen Monat eingeführt wurde.

Im Vergleich zum Börsengang am 10. Dezember 2020 ist der Kurs von Desktop Metal zwar um etwa 7 Prozent gefallen, weist aber eine positive Tendenz auf. Diese ist wohl auf eine Ankündigung des Unternehmens zurückzuführen: Das Produktportfolio wird um einen neuen 3D-Metall-Jet-Drucker erweitert, der die Brücke zwischen Prototyping und Serienproduktion schlagen soll. Ein schlankes System, welches sowohl für die Entwicklung von Modellen als auch für die Fertigung von Serienteilen geeignet ist. Die Auslieferung dieses P-1-Systems hat bereits begonnen. Laut Desktop Metal ist der Autobauer Ford einer der ersten Kunden, der die neue Anlage einsetzen wird.

Für Desktop Metal scheint die Erfolgsformel klar: AM muss sich in der industriellen Fertigung etablieren und wirtschaftlich sein. "Desktop Metal ist bereit, die Fertigungsindustrie zu revolutionieren, indem es transformative 'AM 2.0-Technologien' auf die Produkte und Branchen anwendet, die die Wirtschaft im 21. Jahrhundert antreiben werden", erklärt Leo Hindery, Jr., Vorstand bei Desktop Metal und Trine.

3D Systems überzeugt mit starken Quartalszahlen

Auch der 3D-Druck-Pionier 3D Systems steht an der Börse aktuell hoch im Kurs. Das von Chuck Hull in den 1980er gegründete Unternehmen überzeugte die Anleger im letzten Quartal 2020 mit unerwartet starken Zahlen. Das Unternehmen erwartet einen Umsatz von 170 bis 176 Millionen US-Dollar, was etwa 25 Prozent über der vorherigen Schätzung von 140 Millionen US-Dollar liegt. Außerdem gab 3D System bekannt, die Geschäftsbereiche Cimatron und GibbsCam verkauft zu haben und mit dem Erlös Schulden in Höhe von 21 Millionen US-Dollar tilgen zu wollen.

In Folge dieser Ankündigungen stiegen die Papiere von 3D Systems um etwa 100 Prozent innerhalb eines Tages. Am vergangenen Donnerstag wuchs der Wert von 13,62 US-Dollar am Morgen auf 24,88 US-Dollar bis zum Mittag.

Vertrauen in die additive Fertigung wächst

Obwohl die Prognosen für viele Branchen, beispielsweise die wichtige Automobilindustrie, aktuell mindestens verhalten sind, schaffen es 3D-Druckerhersteller, wie 3D Systems und Desktop Metal, das Vertrauen der Anleger zu gewinnen. Das gelingt den Unternehmen zunächst, indem sie sich in der industriellen Fertigung etablieren und eine entsprechend positive Umsatzentwicklung vorweisen. Im Weiteren bietet die additive Fertigung aber auch eine Perspektive, da die Hersteller weiterhin in die Technologien und Verfahren investieren. Spannend wird es sein, ob sich diese positiven Tendenzen über das kommende Jahr bestätigen.

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