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Kommentar Trends 2020 Diese Themen werden 2020 die AM-Branche beherrschen

| Autor / Redakteur: Joscha Riemann / Stefan Guggenberger

Werden Drucker die Umwelt retten? Erleben wir endlich DIE Disruption? Wissen wir wirklich was Additive Fertigung ausmacht? Wir sagen Jein. Und was sagen unsere Experten? Ein Blick auf die wichtigsten Treiber der AM-Branche.

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Was hält das Jahr 2020 für AM bereit? Wir fragen dafür keinen Glückskeks, sondern unsere Branchenexperten.
Was hält das Jahr 2020 für AM bereit? Wir fragen dafür keinen Glückskeks, sondern unsere Branchenexperten.
(Bild: gemeinfrei // unsplash // Meritt Thomas )

Das Jahr 2019 wurde bestimmt von neuen Anwendungsfeldern, Technologien und einem ganzheitlichen Blick auf die Wertschöpfungskette. Doch was sind Trends für das Jahr 2020?

Erleben wir endlich DIE Disruption?

Der additiven Fertigung wird seit Jahren ein disruptives Potential nachgesagt. Der endgültige Durchbruch ist aber bisher ausgeblieben. Nachdem die Branche schon in den letzten Jahren den Blick immer stärker auf die Verbindung der einzelnen Ebenen der Wertschöpfungskette gelegt hat, neue Anwendungsgebiete erschlossen und Technologien entwickelt hat, steht dieses Jahr die Konsolidierung und Weiterentwicklung an. Das die Technologie revolutionäre Fertigung ermöglicht, ist unbestritten, der wirtschaftliche Einsatz ist aber (noch) der Knackpunkt.

Getrieben durch übergeordnete Themen wie beispielsweise

  • individualisierte Fertigung
  • dezentrale Produktion
  • on-demand Ersatzteilversorgung
  • digitale Warehouses
  • KI und Automatisierung

und durch die Reifung und Bekanntheit der unterschiedlichen Technologien als Ganzes, wird sich die additive Fertigung 2020 neue Handlungsfelder erschließen und ihre Vorteile in verschiedenen Einsatzgebieten ausbauen. Durch die zunehmende Bekanntheit von Anwendungen und Technologien wird auch bei Unternehmen, die AM bisher nicht kennen oder nicht einsetzen, die Akzeptanz steigen.

Auch die Ergebnisse unserer Marktstudie bestärken dieses Bild: der 3D-Druck wächst endgültig aus seinen Kinderschuhen heraus. 2020 werden wir vielleicht nicht den großen Knall erleben, doch Stück für Stück etabliert sich AM in neuen Einsatzgebieten. Eine zusätzliche Chance für AM ist dabei die Ungewissheit über die wirtschaftliche Entwicklung.

Der Hype ist vorbei, die Arbeit hat begonnen. Ist AM auf dem Weg, die Fertigung zu revolutionieren? Nach dem ursprünglichen Hype um die Additive Fertigung, der 2014 abflachte, wächst die die Branche jetzt stetig an.
Der Hype ist vorbei, die Arbeit hat begonnen. Ist AM auf dem Weg, die Fertigung zu revolutionieren? Nach dem ursprünglichen Hype um die Additive Fertigung, der 2014 abflachte, wächst die die Branche jetzt stetig an.
(Bild: Formlabs )

In Deutschland, besonders in der Automobilbranche, ist die wirtschaftliche Grundstimmung 2020 eher pessimistisch. Die AM-Branche jedoch blüht vor Innovationsfreude und Optimismus.

Wieso blüht die additive Fertigung auf?

Als ernstzunehmende Alternativtechnologie zur Fertigung von Endprodukten und getrieben durch Themen wie individualisierte oder on-demand Fertigung, bietet AM neue Marktchancen und ein hohes Innovationspotential. Zudem ist die additive Fertigung an keine Branche gebunden, sondern überall einsetzbar. Damit stellt die additive Fertigung nicht wie früher, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, ein kostenbehaftetes Risiko dar, sondern bietet neue Chancen.

Wissen wir wirklich, was 3D-Druck ausmacht?

Wenn man über additive Fertigung spricht, hat man schnell die tollsten Anwendungsbeispiele vor Augen. Einige davon sind echte, marktfähige Innovationen, andere eignen sich eher als Inspiration. Durch die durchgehende Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette und ein besseres Verständnis der Kostentreiber, wird die Industrie 2020 drei essentielle Fragen beantworten können:

  • Was sind die Total Costs of Ownership (TCO) für das 3D-gefertigte Produkt?
  • Wo liegt meine Expertise? Denke ich schon additiv?
  • What is in it for me?

2020 werden sich die Antworten auf diese Fragen schärfen. Denn AM braucht Ziele, Motivation, die umfassende Berechnung aller Kosten und Vorteile und einen Blick nach Innen und Außen.

Werden Drucker die Umwelt positiv beeinflussen?

Unternehmen tragen Verantwortung. Dieses Thema ist in Zeiten des Klimawandels und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Druck immanent. Auch in der additiven Fertigung muss man die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft berücksichtigen. Ob der 3D-Druck an sich umweltfreundlich oder eher belastend zu bewerten ist, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Dennoch steht mit dem 3D-Druck eine Fertigungsmethode zur Verfügung, die neue Möglichkeiten bietet, nachhaltiger zu produzieren.

Dabei werden 2020 Nachhaltigkeitsaspekte wie dezentrale Produktion vor Ort, on-demand Druck, Ressourcenschonung oder personalisierte Produktion bei Losgröße 1, immer weiter in den Fokus rücken. Immer mehr Unternehmen suchen nach Wegen, ihre Warenströme nachhaltig und damit zukunftssicher zu gestalten, auch wenn damit Mehrkosten verbunden sind. Die additive Fertigung kann ein positiver Wirkfaktor werden, wenn die sich daraus ergebenden Chancen konsequent genutzt werden.

AM hat viele Baustellen

Die von uns befragten Brancheninsider sehen bei den Trendthemen 2020 sehr unterschiedliche Fokusthemen. Ein einfaches Muster ist nicht zu erkennen, vielmehr unterschiedliche Baustellen. Eine Tendenz, die wir selbst immer wieder feststellen. Das Jahr 2020 wird auf jeden Fall spannend werden.

Unsere Brancheninsider zu den additiven Trends 2020

Bildergalerie mit 8 Bildern

Das sagen unsere Brancheninsider zu den Trendthemen in 2020

"2020 wird einerseits eine Findungsphase werden. Unternehmen werden neue Technologien näher unter die Lupe nehmen und bewerten und mit „erfahreneren“ bzw. etablierten Technologien wie Laser Sintern und DMLS vergleichen. Kunden, die den industriellen 3D-Druck bereits fest zur Produktion einsetzen, werden sich nach Möglichkeiten zur AM-Integration in ihre bestehende Fertigungslandschaft umschauen, um im Gesamtprozess besser und kosteneffizienter zu werden. Dazu zählen ebenfalls Qualitätssicherungsmaßnahmen und die Integration von Monitoring Systemen." - Sebastian Becker, Eos

"Wir erwarten im Allgemeinen ein weiterhin steigendes Bewusstsein für die Vorteile des 3D-Drucks in allen Regionen und Branchen. Unser 3D-Druck-Sentiment-Index hat gezeigt, dass fast 2/3 der Unternehmen diese Technologie nicht kennen und auch nicht wissen in welchem Umfang sie davon profitieren könnten oder die Technologie bekannt ist und nicht eingesetzt wird. Wir glauben, dass mit zunehmender Bekanntheit und Wissen, die Akzeptanz steigen wird und so auch die Einführung." - Rohit Jhamb, Ultimaker

"Das ist das spannende an dieser Branche: Da gibt es viele. Zum einen sind kostengünstigere Anlagenkonzepte im Bereich des Laser Beam Melting entwickelt worden. Zum anderen setzen sich auch immer mehr Verfahren mit höheren Aufbaugeschwindigkeiten durch, wie die LMD, das WAAM sowie Cold-Spray-Verfahren. Die Binder-Jetting-Verfahren sind auf dem Vormarsch. Darüber hinaus spielt die Automatisierung der Prozesskette - z.B. im Pulverhandling und Post Processing - eine große Rolle." - Alexander Jakschik, ULT

"Eine Vielzahl: Allen voran die individualisierte Fertigung. Themen wie Nachhaltigkeit, KI für die Additive Fertigung, Automatisierung der Fertigung, die Nachbearbeitung, neue Materialien spielen aber ebenso eine Rolle. " - Lars Bertenbreiter, HP

"Die Bedeutung der Additiven Fertigung wird in der Medizintechnik weiter zunehmen. Zudem sind wie auch im Spritzgießsektor „Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit“ wichtige Themen. " - Lukas Pawelczyk, Arburg

"DED Technologien werden deutlich mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und viele neue Anwendungen mit sich bringen. Zusätzlich wird Metall Binder Jetting und verwandte Verfahren in 2020 weiter an Verbreitung erlangen." - Dr. Eric Wycisk, Ampower

"Das sind eher die Themen „Make or buy“, aber auch insbesondere „Macht für xyz die AM-Fertigung wirklich Sinn? Weitere Trends sehe ich in der Entwicklung zuverlässiger und schneller Monitoring-Systeme zur Beurteilung und Freigabe des Bauprozesses an sich." - Dr. Stephan Greimers, Voestalpine

"Die Materialwissenschaften von AM Materialien, da die Anwender von 3D Druckern funktionale Bauteile herstellen wollen/müssen. " - Dr. Gerald Mitteramskogler, Incus

"Nachdem die Formnext mit vielen großen Playern bereits Ihre Professionalität und Signifikanz bewiesen hat wird sich meiner Einschätzung nach der Fokus von der generellen Machbarkeit langsam in Richtung der Materialwissenschaften und der Qualitätssicherung/ Standardisierung bewegen. " - David Zimny, 3DHubs

"Unsere Trendthemen sind z. B. die Berechenbarkeit von AM-Bauteilen sowie neue Materialien bzw. Materialkombinationen. Die Berechenbarkeit von AM Bauteilen hilft Konstrukteuren vorab zu bewerten, ob die Additive Fertigung Kostenvorteile bringt. " - Tom Krause, Igus

"Wir sehen, wie eine on-demand Ersatzteilversorgung, Digitale Lager und dezentrale Produktion der Additiven Fertigung im kommenden Jahr zu großem Wachstum verhelfen wird. Es wird eine vielzahl von neuen Applikationen und Anwendungsfällen geben, die so gewinnbringend mit AM realisiert werden können." - Stephan Kühr, 3Yourmind

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