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3D-Druck Kolumne Drei Gründe, warum 3D-Druck langweilig sein muss.

Autor / Redakteur: Johannes Lutz / Stefan Guggenberger

3D-Druck lebt von Innovation, neuen Werkstoffen, Geschwindigkeit und Vereinfachung des Prozesses. Genau deshalb ist 3D-Druck so aufregend. Ist das jedoch die richtige Strategie für die Zukunft, wenn es um den erfolgreichen Einsatz der AM-Technologie geht?

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Langeweile gibt es in der sich immer schneller drehenden Welt eigentlich kaum noch. Aber im Bezug auf additive Fertigung könnte sie der Schlüssel zum Erfolg sein.
Langeweile gibt es in der sich immer schneller drehenden Welt eigentlich kaum noch. Aber im Bezug auf additive Fertigung könnte sie der Schlüssel zum Erfolg sein.
(Bild: gemeinfrei // unsplash)

Die monatliche 3D-Druck-Kolumne entsteht in Kooperation mit unserem Autor Johannes Lutz von 3D Industrie. Mehr zum Autor finden Sie am Ende des Textes. Interessieren Sie sich noch für weitere Themen aus der Welt des 3D-Drucks? Dann hören Sie sich den 3D-Druck-Podcast von Johannes Lutz an.

Im November werden regelmäßig die globalen Neuheiten in der Welt der additiven Fertigung vorgestellt. Neue und erweiterte Technologien, weiterentwickelte Werkstoffe und Legierungen, Automatisierung von Prozessen, Vergrößerung von Bauräumen, clevere Software und Verringerung von Komplexität im Umgang mit den Technologien. Bahnbrechende Anwendungen werden vorgestellt, die vorher nie im Blick von Ingenieuren und Anwendern waren. Aufbruchstimmung für die ständige gewohnte Veränderung und Weiterentwicklung der jungen 3D-Druck Technologie.

Wird der Fokus jedoch auf das Wesentliche im 3D-Druck gelegt, dann ist es eine Fertigungstechnologie wie jede andere auch. Es werden Probleme gelöst, indem Bauteile gefertigt werden, die leichter, schneller einsetzbar und funktioneller sind. Egal ob für Prototypen, Fertigungshilfen oder im Produkt selbst. Ist das Problem, welches gelöst werden soll, bekannt und gut identifiziert, ist die Wahl der richtigen 3D-Drucktechnologie sowie das Ausdrucken und Nachbearbeiten der kürzeste und einfachste Schritt.

Überflutung mit Innovation verhindert Fortschritt

Im Wesentlichen ist die '3D-gedruckte Lösung' immer im Fokus des Anwenders. Spielen dabei jedes Jahr neu entwickelte Werkstoffe, weiterentwickelte Technologien sowie noch smartere Software eine so große Rolle oder ist das nur 'nice to have'?

Ist man neu in der Branche, fühlt es sich an wie ein großer Dschungel mit unendlich vielen Möglichkeiten, um Probleme zu lösen. Ein nahezu unbegrenzt großer Werkzeugkoffer mit einer Fülle an Equipment.

Die Wahrheit ist jedoch, es wird besonders durch die Flut an Möglichkeiten oft vergessen, das Problem wirklich zu lösen, da der Fokus verloren geht und wieder auf die nächste großartige Möglichkeit aufspringt.

Die drei Gründe, warum 3D-Druck langweilig sein muss:

  • 1. Das Shiny-Object-Syndrom: Jeder kennt das: „Oh wow, das muss ich unbedingt auch haben!“ Wenn Sie diesen Gedanken haben, könnten Sie auf das Shiny-Object-Syndrom reingefallen sein. Dies ist nicht schlimm, es ist vielmehr eine Neigung oder auch eine bestimme Verhaltensweise, die die Aufmerksamkeit ständig auf etwas Neues richtet. Sie sehen etwas Neues und sind kurzfristig enorm von einer Sache begeistert, haben den Ehrgeiz es zu erarbeiten und nach kurzer Zeit stellt sich Desinteresse ein und Sie suchen wieder nach dem nächsten 'Shiny Object'.
  • 2. Funktioniert das was Sie tun und geplant haben? Durch das ständige Hinzufügen eines neuen Features, eines weiteren Werkstoffes oder neuen Softwarefunktionen rückt das angestrebte Ziel oft in Vergessenheit. Man ist stark beschäftigt, zahlt jedoch nicht auf das gewünschte Ergebnis ein. (Sollte Ihr Ziel die Forschung sein, ist das in Ordnung). Es sollte immer die Frage im Raum stehen: „Funktioniert das was ich tue und führt es mich näher an mein Ziel?“. Ist Ihr Ziel das Drucken von Kundenaufträgen oder Bauteilen für den eigenen Gebrauch, so ist die Beschäftigung mit neuen Werkstoffen nur um zu sehen ob das auch funktioniert, oft ein kostspieliger Zeitvertreib.
  • 3. Erfolg liegt in der Disziplin: Die Vergangenheit hat wie bei anderen Fertigungstechnologien gezeigt, sobald eine bestimmte Ausbringungsmenge gefordert ist, werden Fertigungstechnologien ganz schnell langweilig und eintönig, aber produktiv und lukrativ, da der Fokus gehalten und nicht ständig etwas erneuert oder ausprobiert wird. Warum sollte man einen Prozess auch verändern, wenn er rentabel ist und Probleme löst.

Design. Print. Solve. Repeat.

Genau genommen ist 3D-Druck ein cleverer Ablauf von Prozessen der immer wieder aufs Neue wiederholt werden soll. Im Unternehmertum ist es üblich, dass versucht wird, mit weniger Input mehr Output zu erzielen. Genauer gesagt, aus einem Euro zwei zu machen und dies so schnell und einfach wie möglich.

Die Frage stellt sich jedoch, ob Sie eher Spaß an ‚Shiny Objects‘ haben oder mit 3D-Druck ein bestimmtes Ziel verfolgen, für das es nicht immer das neueste Feature benötigt? Es gibt keine richtige oder falsche Strategie, wichtig ist, dass Sie Ihrem Ziel näherkommen.

Mission Additive Kolumnist Johannes Lutz

Johannes Lutz, Geschäftsführer 3D Industrie GmbH, Experte für industriellen 3D-Druck, Autor des 3D-Druck Profi-Wissen Buches
(Bildquelle: 3D Industrie GmbH)

Johannes Lutz war bereits 2014 neben seinem Maschinenbau & Wirtschaft Studium im technischen Vertrieb und der Anwendungsfindung für 3D-Druck aktiv und gründete dann 2016 das Unternehmen Mark3D GmbH. Dabei konzentrierte er sich gezielt auf den Vertrieb von 3D-Drucken für Betriebsmittel und Fertigungshilfen.

Da die Beratung von Unternehmen zum Thema 3D-Druck weiter zu nahm, traf er die Entscheidung sich hier klarer zu Positionieren und gründete 2019 die 3D Industrie GmbH. Heute hilft er Maschinenbauern um mit 3D-Druck erfolgreich zu starten und 3D-Druck-Dienstleistern mehr Druckaufträge zu generieren. Johannes Lutz ist Autor des Buches 3D-Druck Profi-Wissen und veröffentlicht jeden Dienstag eine neue 3D-Druck Podcast Folge.

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