Expertenbeitrag

 Johannes Lutz

Johannes Lutz

CEO, 3D Industrie GmbH

3D-Druck-Kolumne Oktober Erfolg mit 3D-Druck ist voller Widersprüche

Autor / Redakteur: Johannes Lutz / Stefan Guggenberger

Die Welt der additiven Fertigung hat viele Teilaspekte, die aus Sicht der traditionellen Fertigung gegensätzlich wirken. Genau aus diesem Grund fällt es neuen Anwendern schwer, erfolgreich darin Fuß zu fassen.

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Bei der Implementierung von AM kann eine kognitive Dissonanz in Unternehmen entstehen, weil sich Wahrheiten des 3D-Drucks und der herkömmlichen Fertigung gegenüberstehen.
Bei der Implementierung von AM kann eine kognitive Dissonanz in Unternehmen entstehen, weil sich Wahrheiten des 3D-Drucks und der herkömmlichen Fertigung gegenüberstehen.
(Bild: 3D Industrie GmbH)

Die monatliche 3D-Druck-Kolumne entsteht in Kooperation mit unserem Autor Johannes Lutz von 3D Industrie. Mehr zum Autor finden Sie am Ende des Textes. Interessieren Sie sich noch für weitere Themen aus der Welt des 3D-Drucks? Dann hören Sie sich den 3D-Druck-Podcast von Johannes Lutz an.

Steht die Entscheidung fest mit 3D-Druck im Unternehmen zu beginnen, läuft oft ein bestimmtes Muster in der Informationsbeschaffung und Meinungsbildung ab. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist die Welt der additiven Fertigung so neu und unbekannt, dass es immer schwieriger wird die Zusammenhänge konkret zu verstehen. Das geht so weit, dass ein unangenehm empfundener Gefühlszustand entsteht, weil mehrere ‚Wahrheiten‘ nicht miteinander vereinbar sind.

Dabei heißt es oft: „Das muss so sein, weil das schon immer so war und es nur so gehen kann“.

Auf eigenen Erkenntnissen beruhendes Wissen kann also nicht mit der neuen Information in der gleichen Gedankenwelt existieren. Ein Beispiel, das nicht mit 3D-Druck zu tun hat, macht es einfacher die Problematik zu verstehen: Für viele Menschen ist das Abnehmen ohne Sport ein Widerspruch, dabei geht es beim Gewichtsverlust nur um ein Kaloriendefizit, welches vor allem durch die richtige Ernährung erzielt wird.

Im Folgenden einige Beispiele für kognitive Dissonanz bei 3D-Druck und additiver Fertigung.

Weichen für additive Konstruktion müssen im Kopf gelegt werden

  • Gedanke 1 - Designfreiheit: In der additiven Konstruktion ist absolute Designfreiheit erlaubt und auch gefordert. Der Freiheitsgrad durch die Designfreiheit ist möglichst groß. Dabei bestehen kaum Grenzen für die Komplexität des Bauteils, da es Schicht für Schicht erstellt wird und nicht fertigungsgerecht Schritt für Schritt wie in der traditionellen Fertigung gespannt, geformt oder gebogen werden muss.
  • Gedanke 2 – Einfachheit: Um eine 3D-gedruckte Lösung zu gestalten, sollte natürlich nur der Funktionsumfang im zu druckenden Bauteil beinhaltet sein, der tatsächlich notwendig ist. So geht es nicht mehr nur um Freiheitsgrade und Designfreiheit, sondern um eine starke Einschränkung der Bedürfnisse, die somit zur 3D-gedruckten Lösung beiträgt.

Schon die Technologieauswahl ist herausfordernd

  • Gedanke 1 – Große 3D-Druck-Technologieauswahl: Aufgrund der Unterteilung in Kunststoff, Metall und weiteren Materialien sowie der weiteren Unterteilung einzelner Ausgangstechnologien mit wieder einzelnen Merkmalen, je nach Hersteller ist es möglich aus so vielen unterschiedlichen Varianten zu wählen. Und jedes Verfahren sowie jede Abwandlung der Technologien einzelner Hersteller bringt individuelle Vorteile mit sich.
  • Gedanke 2 – Blick auf die zu druckende Anwendung: Andererseits ist es sehr schwierig die richtige Drucktechnologie auszuwählen, wenn die zu druckende Anwendung nicht identifiziert und qualifiziert wurde. Es ist also genau andersrum wie in der konventionellen Fertigung, bei der es einen gleichen Typ Fräsmaschine gibt, womit viele Bauteile aus unterschiedlichen Werkstoffen gefertigt werden können. Bei 3D-Druck gilt hingegen, von der Anwendung zur Technologie zu denken, anstatt wie in der herkömmlichen Fertigung genau andersrum.

Form [Your] Next Mission: Web-Konferenz am 19.10.2021, um 10 Uhr

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Im kostenlosen Webinar am 19. Oktober erfahren Sie, wie Sie sich mit 3D-Druck in der Metallbe- und verarbeitung einen signifikanten Marktvorteil sicher können. Das erwartet Sie:

  • Andreas Nicolescu von Autodesk zeigt, wie AM-Prozesse vom Design über die Kostenberechnung bis zur Nachhaltig sinnvoll gestaltet werden.
  • Ferdinand Bunte von Mark3D erklärt mit einem Use-Case, wo AM heute schon echte Vorteile bietet und wie Sie Skepsis abbauen können.
  • Erik Feldbaum vom Aachen Center of Additive Manufacturing geht darauf ein, wie AM-Technologien in Zeiten kürzerer Entwicklungszyklen einen Wettbewerbsvorteil generieren.

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Erfolg im 3D-Druck hat viel damit zu tun, Widersprüche in Einklang zu bringen

Vieles steht bei AM also scheinbar im Gegensatz, das einen davon abhält, loszulegen und Resultate zu erzielen. Es gibt noch viele weitere Gegensätzlichkeiten in der additiven Fertigung, die Anwender seit Jahren davor zurückhalten, den Sprung ins nächste Level zu schaffen. Niemand hat gesagt, dass das Finden von Widersprüchen und die gleichzeitige Umsetzung von AM leicht werden. Sollten die Hemmungen aufgrund von Widersprüchen zu dominant werden, kann es sich lohnen, einen externen Berater, der mit den Fragestellungen vertraut ist, anzufragen.

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