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Additive Endprodukte Revolutionieren 3D-gedruckte Schuhe den Markt?

| Redakteur: Stefan Guggenberger

Werden Alltagsgegenstände zukünftig auf einem hauseigenen 3D-Drucker hergestellt? Innovative, ökologische und individuelle Produkte sprechen dafür. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen Formlabs und der Sportartikelhersteller New Balance.

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Der Sportartikelhersteller New Balance baut zusammen mit Formlabs sein Engagement im Bereich 3D-Druck weiter aus.
Der Sportartikelhersteller New Balance baut zusammen mit Formlabs sein Engagement im Bereich 3D-Druck weiter aus.
(Bild: VCG // Stefan Guggenberger)

Bereits 2017 haben Formlabs und New Balance eine Kooperation gestartet, um Hochleistungsmaterialien, Hardware und ein Herstellungsverfahren für die additive Produktion von Sportschuhen zu entwickeln. Im Rahmen der Zusammenarbeit entstand ein neues proprietäres Photopolymerharz namens Rebound Resin. Das Material wurde konzipiert, um daraus federnde, elastische Gitterstrukturen zu fertigen, die in den Sohlen der Sportschuhe verarbeitet werden.

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Bis jetzt haben die beiden Unternehme zwei Sneaker entwickelt und auf den Markt gebracht. Im Juni 2019 wurde das erste 3D-gedruckte Modell veröffentlicht und war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Im September folgte dann der zweite Schuh, der mit der gleichen Technologie hergestellt wurde, wie sein Vorgänger. Bei dem 3D-Druck im Stereolithographieverfahren wird das Photopolymerharz Rebound Resin für die Schuhelemente verarbeitet.

Additiv optimiertes Resin ist auch für andere Branchen relevant

New Balance ist mit der Performance des verwendeten Materials bisher sehr zufrieden. Das in den neuen Schuhmodellen verarbeitete Hochleistungsharz bietet die nötigen Eigenschaften, um die Unterstützung und Federung zu liefern. Außerdem hat das Material eine viel höhere Energierückgabe, ist reißfester und dehnfähiger als jedes andere Formlabs-Material. Es ist stark genug, um in Dichtungen, Versieglungen und im Fahrzeuginnenraum eingesetzt zu werden. Gleichzeitig ist es leicht und flexibel genug für die Sohle eines Schuhs. Allerdings hat sich New Balance die Exklusivrechte zur Verwendung des Resins gesichert, also wird es vorerst keine anderen Produkte mit dem Material geben.

Für die Herstellung der Schuhe muss das Material hohe Temperaturunterschiede, die zur Verbindung der einzelnen Materialien notwendig sind, unbeschadet überstehen. Im Alltagsgebrauch muss der Schuh wiederholte Stöße auf unterschiedlichsten Untergründen aushalten, widerstandsfähig gegen UV-Strahlung sein und mitunter dem schweren Gewicht seines Trägers standhalten. Für das SLA-Verfahren hat man sich unter anderem entschieden, weil verschiedene Materialien auf einer Anlage verarbeitet werden können, die für die Einsatzgebiete von New Balance relevant sind.

Innovation schützt vor Irrelevanz

Auf lange Sicht bietet 3D-Druck die Möglichkeit eine neue Dimension in der Schuhproduktion mit deutlich schnellerer, kontinuierlicher Entwicklung im gesamten Designprozess. Vor allem der hausinterne Druck von Schuhelementen bringt den Design- und den Herstellungsprozess unter ein Dach - das soll die Kommunikationswege verkürzen und langfristig Kosten sparen. In einem hart umkämpften Markt mit potenten Mitbewerbern ist es überlebenswichtig, dem Kunden Innovationen zu bieten. Genau das möchte New Balance mit der Integration von Additiver Fertigung erreichen.

Noch erforscht das Unternehmen die vollständigen Auswirkungen des 3D-Drucks auf die Schuhherstellung. Die bisherigen Beispiele sind für die Amerikaner nur der Anfang dessen, was sie vom hauseigenen 3D-Druck und der Partnerschaft mit Formlabs erwarten. Für 2020 soll die Kollektion 3D-gedruckter Schuhe zunächst erweitert und weitere additive Produktionskapazitäten aufgebaut werden. Der Erfolg von Formlabs und die weitere Verfolgung der Strategie ist in sofern auch beachtlich, da größere Mitbewerber Schwierigkeiten im Bereich 3D-Druck haben. Adidas wird seine 3D-Druck-Fabriken in Deutschland und den USA bis April 2020 wieder schließen, nachdem der Konzern im Jahr 2018 noch den deutschen Innovationspreis für die sogenannte Speedfactory erhalten hat. Allerdings wird Adidas am 3D-Druck festhalten und diesen zukünftig in Asien fortsetzen, wo auch die restlichen Schuhe produziert werden, um möglichst alle Produktionsmitteln an einem Ort zu bündeln.

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