Luft- und Raumfahrt United Airlines bestellt 15 Überschalljets mit 3D-gedruckten Teilen

Redakteur: Stefan Guggenberger

Die US-Fluggesellschaft hat 15 Modelle des Overture genannten Überschalljets von Boom Supersonic bestellt, der 3D-gedruckte Teile in den Triebwerken verbaut. Damit wird die Renaissance des Überschallflugs immer realer.

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Der Overture-Jet soll ab 2029 innerhalb von nur vier Stunden von Frankfurt nach New York fliegen können.
Der Overture-Jet soll ab 2029 innerhalb von nur vier Stunden von Frankfurt nach New York fliegen können.
(Bild: Boom Supersonic)

Wie die US-Fluggesellschaft und Boom Supersonic aus Tampa Bay in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt geben, hat United Airlines 15 Superschalljets in Auftrag gegeben. Sobald der Overture-Jet die Vorgaben von United in puncto Sicherheit, Betrieb und Nachhaltigkeit erfüllt, könnten 35 weitere Flugzeuge hinzukommen. Der Overture-Jet soll für die Rückkehr des Überschallflugs im Passagierverkehr sorgen und setzt dabei auf additive Fertigung. Wie bereits bekannt ist, werden mindestens 21 Titanbauteile in den Prototypen des Herstellers verbaut. Dabei ist ein Großteil der 3D-gedruckten Komponenten in den Triebwerken zu finden. Die Zahl der additiv hergestellten Komponenten dürfte beim Serienjet aber noch deutlich größer sein, da Boom Supersonic mit mehreren Unternehmen der 3D-Druck-Branche kooperiert.

Mit Mach 1.7 fliegen und gleichzeitig nachhaltig?

Der Overture-Jet soll seine 88 Passagiere in Zukunft mit einer Reisegeschwindigkeit von Mach 1.7 – etwa 2100 km/h und damit doppelt so schnell wie herkömmliche Flugzeuge – befördern. So möchte United Airlines die Reisedauer auf bekannten Strecken halbieren. Als Beispiele nennt die Airline London – New York (3,5 Stunden), Frankfurt – New York (4 Stunden) oder San Francisco – Tokyo (6 Stunden). Gleichzeitig soll der neue Überschalljet aber auch das erste CO²-neutrale Passagierflugzeug sein. Der Schlüssel zur Nachhaltigkeit ist der Treibstoff: Boom Supersonic hat einen nach Firmenangaben zu 100 % nachhaltigen Treibstoff entwickelt, der das bekannte Flugzeugkerosin ersetzt. Was wie ein Zaubertrick klingt, beschreibt Unternehmensgründer Blake Scholl gegenüber CNN ganz einfach: "Im Grunde genommen saugen wir Kohlenstoff aus der Atmosphäre, verflüssigt ihn im Düsentreibstoff und verbrennen ihn dann in den Flugzeugtriebwerken". So soll der Atmosphäre kein Kohlenstoff hinzugefügt, sondern dieser nur im Kreis bewegt werden.

3D-gedruckte Komponenten in den Triebwerken

Wie bereits länger bekannt ist, setzt Boom Supersonic auf 3D-gedruckte Bauteile. Mit dem US-Druckerhersteller Velo3D kooperiert man beispielsweise beim 3D-Metalldruck. So werden in den bisherigen Prototypen mindestens 21 Titanbauteile eingesetzt, die auf Maschinen von Velo3D entstehen. Dabei sind die Teile hauptsächlich für die Hochleistungstriebwerke und das Umweltkontrollsystem des Jets bestimmt. Da Boom Supersonic noch mit den 3D-Spezialisten Stratasys und Dassault Systems kooperiert, ist davon auszugehen, dass die Serienjets mit noch mehr additiven Komponenten ausgestattet sind.

Diese Video zeigt, wie die Jets bei United Airlines außen und innen aussehen könnten:

Die Vision: Ein Überschallflug für 100 US-Dollar

Die ambitionierten Pläne von Boom Supersonic hören nicht dabei auf, dass man den Überschallflug zurückbringen möchte und ihn nachhaltig macht. Wie Scholl in einem Interview mit CNN deutlich macht, möchte man die Fehler von Concorde und Tupolew nicht wiederholen. Ein Flug in der Concorde hat in den 1990er Jahren etwa 12.000 US-Dollar gekostet. „Das ist keine Reise, das ist eine Sache, die man sich höchstens einmal im Leben leisten kann", sagt Scholl, bevor er hinzufügt: "Im Gegensatz zu dem, wo wir hinwollen, nämlich in vier Stunden für 100 US-Dollar an jeden Ort der Welt." Zu Beginn könnten Flüge zwischen London und New York jedoch noch zwischen 5.000 und 7.000 US-Dollar kosten.

Ob diese Vision auch Wirklichkeit wird, können wir laut dem aktuellen Zeitplan ab 2029 überprüfen. Die Produktion der Überschalljets soll bis 2025 abgeschlossen werden. Ab 2026 sollen sie dann fliegen und ab 2029 reguläre Passagiere befördern.

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