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Werkzeugbau Werkzeugbauer kurz vor dem Kollaps

Redakteur: Victoria Sonnenberg

Hersteller von Metallumformwerkzeugen für die Automobil- und Zulieferindustrie stehen vor großen Herausforderungen – die ohne Unterstützung kaum zu meistern sind. Der VDMA Werkzeugbau mahnt zur Handlung.

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Um das Schlimmste noch abzuwenden, braucht die Branche die Unterstützung durch die Industrie.
Um das Schlimmste noch abzuwenden, braucht die Branche die Unterstützung durch die Industrie.
(Bild: MICROGEN@GMAIL.COM)

„Im Kundensegment Automobil, zu dem auch mein Unternehmen Kuhn & Möhrlein gehört, ist es fünf vor Zwölf“, beschreibt Volker Schäfer, seit Dezember 2019 neuer stellvertretender Vorsitzender des VDMA Werkzeugbau, die aktuelle Situation der Teilbranche. Seit etwa einem Jahr sollen die Unternehmen leer laufen, weil die Kunden in der Umbruchphase, aufgrund der Unsicherheit der zukünftigen Richtung im Automobilbau, keine Aufträge platzieren. Die Anfragen seien ebenfalls extrem zurückgegangen.

Am Ende der eigenen Liquidität

Auch den Teilelieferanten für die Fahrzeugproduktion geht es nicht mehr gut. Deshalb gibt es bereits von Tier-1-Kunden den Versuch, sich beim Werkzeugbau Liquidität zu besorgen. „So etwas ist allerdings zum Scheitern verurteilt, denn einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen, will sagen, die meisten Werkzeughersteller sind bereits am Ende ihrer eigenen Liquidität angelangt und müssen demnächst mit Entlassung beginnen, beziehungsweise haben schon in erheblichem Umfang Personal abgebaut“, so Schäfer weiter. Das habe allerdings dramatische Auswirkungen auf ihre zukünftige Lieferfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass die meisten Autohersteller in den nächsten Jahren mit neuen, teilweise elektrisch oder hybrid angetriebenen Fahrzeugen auf den europäischen Markt kommen, diese auch in Europa produzieren und dann auch wieder Werkzeuge brauchen – wird die „Durststrecke“ sehr lang, für einige Firmen vielleicht zu lang.

Kommt es zum Werkzeugbausterben?

Schäfer geht davon aus, dass bei den meisten Unternehmen in den kommenden drei Monaten die Liquidität knapp wird und einzelne deutsche Unternehmen unwiederbringlich vom Markt verschwinden. Danach werden die Kunden sich woanders in der Welt nach Karosseriewerkzeugen umsehen müssen. Weiterhin ist mit dem Verlust des jahrzehntelang aufgebauten Know-hows der Branche zu rechnen, das bis heute noch eine extrem hohe Werkzeugqualität und die mit den Werkzeugen produzierte Teilequalität garantiert.

Während deutsche Werkzeugbauer bangen, entsteht in China, nicht zuletzt durch die staatliche Subventionierung, eine marktmächtige Werkzeugbranche. „Im Grunde spricht nichts gegen Wettbewerb – und wenn dieser fair ist, dann stellen wir uns diesem auch gerne mit unseren hervorragenden Produkten. Bezüglich China habe ich da aber so meine Bedenken ob der Fairness. Wir fordern ein level-playing-field!“, erklärt Schäfer.

Es sei zu befürchten, dass die europäischen Fahrzeughersteller heftige Wettbewerbsnachteile auf dem Weltmarkt in allen Fahrzeugsegmenten – auch in der Oberklasse – haben werden. Das hätte gegebenenfalls Folgen für andere automobilnahe Arbeitsplätze.

Unterstützung durch die Politik ist gefragt

Damit es nicht zum Schlimmsten kommt, rät Schäfer dazu, noch wettbewerbsfähiger zu werden. „Kurzfristig benötigen wir Liquidität – bevorzugt durch private Investoren und Banken – und Instrumente wie die Kurzarbeit, um Zeiten knapper Aufträge zu überbrücken. Hier brauchen wir auch die Unterstützung der Politik. Nur gemeinsam sind wir stark! Jeder Unternehmer und Entscheider muss seine Wahlkreiskandidaten aller Parteien persönlich darauf aufmerksam machen, dass wir im Begriff sind, nicht nur eine Schlüsselindustrie für unsere Industrieproduktion zu verlieren, sondern dass dies auch zu einem Dominoeffekt führen kann, der viele weitere hochqualifizierte Arbeitsplätze in der automobilnahen Industrie gefährdet“, mahnt Schäfer.

Zudem hat der VDMA die Initiative Fairness+ gestartet, die allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette vom Werkzeug bis zum Endprodukt als Plattform für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit offensteht. Alle Ausrüster, Teileproduzenten und Kunden sind aufgefordert, dieser Initiative beizutreten und auf Basis der dort formulierten Werte und Maßnahmen gemeinsam ihre Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt auszubauen. „Denn es muss allen Entscheidern von Autoherstellern und ihren System- sowie Komponenten-Lieferanten klar sein, dass sie hier in Europa nur in einer echten Partnerschaft auf Augenhöhe überhaupt eine Chance haben, gemeinsam mit den Werkzeugbauten zu überleben“, schließt Schäfer.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf unserer Partnerplattform Maschinenmarkt veröffentlicht.

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