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New Work Wie wir in Zukunft arbeiten werden

| Redakteur: Ute Drescher

Die Digitalisierung verändert auch unsere Arbeitswelt: Aus Ingenieuren sollen kreative Problemlöser werden, die von jedem Ort der Welt in kollaborativen Teams arbeiten können. Wie weit sind wir davon noch entfernt?

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Interdisziplinär arbeiten in kollaborativen Teams – so soll die Arbeit der Zukunft aussehen.
Interdisziplinär arbeiten in kollaborativen Teams – so soll die Arbeit der Zukunft aussehen.
(Bild: ©Olena - stock.adobe.com)

Das Tempo war beeindruckend: Entgegen aller in der Vergangenheit geäußerten Bedenken hat die Corona- Pandemie innerhalb kürzester Zeit bewiesen, dass viele von uns ihre Arbeit ebenso gut im Home Office erledigen können wie im Büro. Sofwaretools wie Teams oder Zoom machen die reibungslose Kommunikation mit den Kollegen möglich, ebenso wie mit Geschäftspartnern und Kunden. Auch der Austausch von Daten und der Zugriff auf die Systeme im Unternehmen funktioniert in den meisten Fällen problemlos. Wer hätte das gedacht?

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Damit ist die Industrie der Arbeitswelt von morgen einen großen Schritt nähergekommen. Sie wird sich grundlegend von der Art unterscheiden, wie wir heute arbeiten, prophezeien Wissenschaftler und Experten schon seit Jahren.

Roboter als Synonym für Automatisierungslösungen werden dem Menschen wiederkehrende und monotone Tätigkeiten abnehmen – nicht nur in der Produktion.
Roboter als Synonym für Automatisierungslösungen werden dem Menschen wiederkehrende und monotone Tätigkeiten abnehmen – nicht nur in der Produktion.
(Bild: ©Nataliya Hora - stock.adobe.com)

Den Grund sehen sie im technologischen Wandel: Automatisierung, Digitalisierung und Globalisierung treiben diese Veränderung voran. Maschinen und Software werden zunehmend Routineaufgaben übernehmen und den Menschen von wiederkehrenden, immer gleichen und langweiligen Tätigkeiten entbinden – nicht nur in der Produktion. Hinzu kommen Veränderungen in der Gesellschaft. An erster Stelle der demografische Wandel, der in den kommenden Jahren dafür sorgen wird, dass viele erfahrene Ingenieure ihr Wissen mit in den Ruhestand nehmen – oft für immer verloren für die Industrie. Gleichzeitig wächst – vor allem unter jungen Menschen – das Bewusstsein für den Klimawandel und damit der Wunsch, den drohenden negativen Auswirkungen entgegenzuwirken. Und gerade die Jungen stellen sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit, der Auswirkung auf die Gemeinschaft. Und: Sie trennen Arbeit und Leben nicht mehr so stark wie noch die Generationen vor ihnen.

Ingenieure gestalten den Wandel

Ingenieure werden den technologischen Wandel mitgestalten und dabei gleichzeitig ihre eigene Arbeitswelt umgestalten. Das, so scheint der allgemeine Konsens zu sein, erfordert automatisierte Prozesse auch in Konstruktion und Entwicklung, die Ingenieure von Standard- und Routineaufgaben befreien und Freiraum schaffen für neue Tätigkeiten. Die Anforderungen verschieben sich auf kreative und wertschöpfende Tätigkeiten wie Problemlösungen – und machen so manchen Job attraktiver. Auch die Produktentwicklung wird sich ändern. So werden Neuentwicklungen schon früh auf den Markt gebracht werden und erst dann im Rahmen einer periodischen Produktentwicklung mit den Rückmeldungen des Kunden weiterentwickelt und optimiert. Dabei wird Software in Zukunft den größten Teil zur Wertschöpfung einer Maschine beitragen. Umsetzen lässt sich dieses Konzept mit agilen Arbeitsmethoden in interdisziplinären Teams.

Gefragt sind auch Soft Skills

Hochschulen müssen ihre Lehrpläne anpassen, um Ingenieure für die Zukunft fit zu machen.
Hochschulen müssen ihre Lehrpläne anpassen, um Ingenieure für die Zukunft fit zu machen.
(Bild: ©WavebreakMediaMicro - stock.adobe.com)

Das Arbeiten in interdisziplinären Teams setzt nicht nur Fachkenntnis auf dem eigenen Gebiet voraus, sondern auch übergreifende fachliche Grundlagen etwa in der Informatik, um sich mit anderen Disziplinen verständigen zu können. Das ist umso wichtiger, als sich Entwicklung, Konstruktion und Produktion nicht mehr von Informations- und Kommunikationstechnik trennen lassen. Aber auch ein Verständnis für Prozesse und Soft Skills wie Team- und Kommunikationsfähigkeit sind in Zukunft gefragt. Nicht umsonst fordert der VDMA in seinem „Soll-Profil Ingenieure und Ingenieurinnen 4.0“ die folgenden Kompetenzen:

  • fachliche Grundlagen in einer Ingenieurdisziplin
  • methodische Kompetenzen, Prozess- und Systemdenken
  • übergreifende fachliche Grundlagen, z.B. in Informatik und Data Science im Studiengang Maschinenbau
  • Kontextwissen, d.h. Wissen über Gegebenheiten, Anforderungen und Perspektiven in anderen Unternehmensbereichen und Disziplinen
  • überfachliche Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Eigenmotivation und Kommunikationsfähigkeit

Die Kompetenzprofile für Ingenieure und Ingenieurinnen ändern sich also massiv. Entsprechend müssen nicht nur Unternehmen ihre Weiterbildungsformate, sondern auch die Hochschulen ihre Lehrpläne anpassen. Schließlich gilt auch für Hochschulen das häufig noch vorherrschende Silodenken in den Fachbereichen und Fakultäten aufzubrechen und die Vernetzung auch in der Lehre voranzutreiben.

Die Studie „Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0“, die das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e. V. - ISF München im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA empfiehlt die Einführung eines zweisemestrigen gemeinsamen ingenieurwissenschaftlichen Grundstudiums. Möglich werden dann erste Einblicke in die Studiengänge Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik, zugleich verbessert sich die Entscheidungsbasis für die Wahl einer Kerndisziplin.

Im virtuellen Raum zusammen arbeiten

Kollaborative Softwaretools machen die disziplinübergreifene Zusammenarbeit möglich – über Landesgrenzen hinweg und auch aus dem Home Office.
Kollaborative Softwaretools machen die disziplinübergreifene Zusammenarbeit möglich – über Landesgrenzen hinweg und auch aus dem Home Office.
(Bild: ©bunditinay - stock.adobe.com)

Auch wenn es noch Arbeit und Mühe kosten wird, Ingenieure und Ingenieurinnen die geforderten Fähigkeiten zu vermitteln, Tools, die kollaboratives Arbeiten nicht nur über fachliche sondern auch räumliche Grenzen hinweg im virtuellen Raum möglich machen, gibt es schon heute. Etwa We Are Rooms, um nur ein Beispiel zu nennen: CAD- und Konstruktionszeichnungen werden per Drag-and-drop und direkter Datenanbindung zu dreidimensionalen Objekten, die frei im Raum präsentiert, demontiert, und gemeinsam bearbeitet werden können. Auch Prototypen müssen nicht mehr physisch gebaut werden. Das Tool kreiert anhand von CAD-Zeichnungen virtuelle Modelle.

Doch nicht nur die Ingenieure sind gefordert, sich weiterzuentwickeln. Das gilt auch für Unternehmen. Wollen sie attraktive Arbeitgeber sein, müssen sie ihren Mitarbeitern ein Umfeld bieten, in dem diese sich entfalten können. Dazu gehört neben veränderten Führungsstrukturen auch, ihnen die Wahl zu lassen, wo sie arbeiten.

Seminartipp

Im Seminar Agile Führung lernen die Teilnehmer in interaktiven Übungen, Workshops, Impulsvorträgen und Diskussionen mit erfahrenen Kollegen agile Werte, Arbeitsweisen und Methoden in der Anwendung kennen.

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